Aus: Ausgabe vom 06.08.2018, Seite 8 / Ansichten

Anachronismus des Tages: Wehrdienst

Von Michael Merz
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Der Traum vieler Jugendlicher, mit der Knarre in der Hand Bäume zu erschrecken, soll bald wieder wahr werden

Was uns einige CDU-Leute seit dem Wochenende unter dem Stichwort »verpflichtendes Gesellschaftsjahr« verkaufen wollen, soll überhaupt nichts mit der Wehrpflicht zu tun haben, die Mitte 2011 in der BRD ausgesetzt wurde. Gottbewahre! Es geht lediglich darum, Schulabgänger für ein Jahr zum Militär einzuziehen, und wenn sie sich weigern, im Alten- oder Pflegeheim als billige Beschäftigte mittels Zwangsarbeit auszubeuten. Es gibt durchaus einen gewichtigen Unterschied: Auch Frauen sollen diesmal ran. Aber sonst geht es, wenn die Pläne denn verwirklicht werden, um die Wiedereinführung der Dualität aus Strammstehen oder Kackewischen.

Den Griff in die Mottenkiste haben wir der CDU-Generalin Annegret Kramp-Karrenbauer, die im Vorfeld des Parteitags am Ende des Jahres auch mal Pflöcke einschlagen will, zu verdanken. Der Kriegs- oder Ersatzdienst für alle soll im neuen Grundsatzprogramm auftauchen. Einige Parteifreunde steuern gleich ein paar Floskeln bei. Zum Beispiel der Junge-Union-Vorsitzende Paul Ziemiak in der BamS: »Ein Gesellschaftsjahr gibt die Möglichkeit, etwas zurückzugeben und gleichzeitig den Zusammenhalt im Land zu stärken«. Herzig auch, was dem Chef der Mittelstandsvereinigung der Union, Carsten Linnemann, zum Thema Wehrdienst in den Sinn kommt, der diene der »Stärkung der sozialen Kompetenzen«.

Diese Argumentation hat einige Herren der SPD natürlich gleich überzeugt. An ihnen soll es nicht liegen, wenn künftig Heranwachsende gezwungen werden, ein Jahr ihrer Lebenszeit am Sturmgewehr oder mit der Bettpfanne zu verbringen. Und so ganz nebenbei kommen dann auch endlich die Summen zusammen, um das Zwei-Prozent-Ziel der NATO zu erreichen. Zig Milliarden lassen sich ohne weiteres verschleudern für den Wiederaufbau von Kasernen, Sturmbahnen und Kreiswehrersatzämtern.

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