Aus: Ausgabe vom 02.08.2018, Seite 2 / Ausland

»Aquarius« wieder unterwegs

Rettungsschiff nimmt Kurs auf Gewässer vor Libyen

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Die »Aquarius« am 12. Juni vor der italienischen Küste

Mit der erneuten Entsendung ihres Schiffes »Aquarius« ins Mittelmeer wollen die Hilfsorganisationen »SOS Méditerranée« und »Ärzte ohne Grenzen« der Abschottung der EU gegen Flüchtlinge etwas entgegensetzen. Wie die beiden Verbände am Mittwoch in Berlin ankündigten, sollte das in Marseille liegende Schiff noch am Abend auslaufen. »Obwohl sich die Bedingungen für eine Seenotrettung im Mittelmeer in den letzten zwei Monaten radikal verändert haben, gibt es keine Alternative zur Rettung von Menschen in Seenot«, erklärten die Hilfsorganisationen. Die »Aquarius« habe sich den neuen und »ungewissen Bedingungen in der Rettungszone strategisch und technisch angepasst«. Außerdem seien größere Nahrungsmittelvorräte an Bord, um für erneute Verzögerungen beim Anlaufen eines Hafens gerüstet zu sein.

Gerettete Menschen werden von der »Aquarius« nicht nach Libyen zurückgebracht, betonten die Verbände. »Auf See aufgegriffene Flüchtlinge, Asylsuchende und Migranten dürfen nicht nach Libyen zurückgeschickt werden. Daher ist die ›Aquarius‹ verpflichtet, jede Anweisung der maritimen Behörden zu verweigern, auf See gerettete Menschen nach Libyen zurückzubringen oder einem Schiff zu übergeben, das sie nach Libyen bringen würde«, erklärte Ärzte ohne Grenzen. Das Land ist vom Bürgerkrieg zerrüttet und gilt nicht als sicherer Ort, weil den Menschen dort Misshandlungen und Gewalt drohen.

»Die humanitäre Tragödie auf See, das Versagen der EU, spielt sich vor unseren Augen ab«, kritisierte die Geschäftsführerin von SOS Méditerranée Deutschland, Verena Papke. Seit Jahresbeginn seien bereits mehr als 1.100 Menschen im zentralen Mittelmeer gestorben. »Über 700 davon starben allein seit Juni, dem Monat, in dem zivile Rettungsschiffe davon abgehalten wurden, Menschen in internationalen Gewässern vor der libyschen Küste zu retten«, hob Papke hervor.

Unterdessen hat eine Untersuchung der unter niederländischer Flagge fahrenden »Sea-Watch 3« bestätigt, dass diese über alle notwendigen Dokumente und Zulassungen verfügt. Trotzdem hindern die Behörden Maltas das von einer deutschen Hilfsorganisation betriebene Rettungsschiff am Auslaufen. Die Crew kritisierte das am Mittwoch über Twitter: »Hier geht es nicht um Papierkram, sondern um eine politische Kampagne gegen die zivile Seenotrettung!« (dpa/AFP/jW)

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