Aus: Ausgabe vom 24.07.2018, Seite 4 / Inland

Brutale Gewalt gegen Gewerkschafter

DGB Hessen: AfD-Anhänger würgen Gegendemonstranten bis zur Bewusstlosigkeit

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Wie hier am 7. Juli im baden-württembergischen Kornwestheim, gingen vergangenen Freitag auch in Hanau zahlreiche Menschen gegen eine AfD-Veranstaltung auf die Straße. Dabei wurde ein Ordner attackiert

Rund 400 Demonstranten hatten sich am Freitag abend zu einer Kundgebung gegen die AfD im hessischen Hanau versammelt. Der Anlass: eine Veranstaltung der rechten Partei zum Auftakt des Landtagswahlkampfs, bei der sie sich in die Tradition des militärischen Widerstandes gegen das Hitlerregimes am Jahrestag des Attentats auf Hitler am 20. Juli 1944 stellte. Wie der DGB am Montag mitteilte, kam es während des friedlichen Protests zu einem brutalen Übergriff zweier AfD-Anhänger auf einen Gewerkschafter und aktiven Betriebsrat im Main-Kinzig-Kreis. Er sei vor Zeugen bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt worden und habe anschließend in einem Krankenhaus behandelt werden müssen, berichtete Ulrike Eifler, Geschäftsführerin der DGB-Region Südosthessen. »Mich erschreckt die Skrupellosigkeit der Tat: am helllichten Tag, mitten in unserer Kundgebung und unter den Augen der Polizei – die Täter müssen sich sehr sicher fühlen«, erklärte Eifler. Der Vorfall unterstreiche, »dass die AfD keine Spaßpartei, sondern hochgefährlich ist«.

Nach Angaben des DGB hatten sich die AfD-Anhänger offenbar unter die Gegendemonstranten vor der Kulturhalle im Hanauer Stadtteil Steinheim gemischt. Im Verlauf der Kundgebung bedrängte demnach einer der beiden zunächst Eifler und versuchte, ihr das Mikrofon aus der Hand zu nehmen. Daraufhin trat einer der Ordner an ihn heran und forderte ihn auf, den Platz zu verlassen. Dieser Aufforderung kam der Mann laut DGB-Bericht zunächst nach, blieb aber am Rande der Kundgebung stehen, wo eine zweite Person wartete. Von hinten griffen sie den Ordner an, der ihnen bereits den Rücken zugedreht hatte. Sie würgten ihn selbst dann noch, als er schon bewusstlos am Boden lag.

Umstehende bemerkten den Angriff und gingen dazwischen. Das hat dem Mann möglicherweise das Leben gerettet. Der Attackierte wurde mit einem Schädel-Hirn-Trauma, Prellungen und kurzzeitiger Amnesie von einem Rettungswagen ins Krankenhaus gefahren. Inzwischen wurde auch Strafanzeige wegen schwerer Körperverletzung gegen die beiden Männer gestellt, die anschließend an der Veranstaltung der AfD teilnahmen. Bereits in der vergangenen Woche hatten AfD-Mitglieder Falschmeldungen über die DGB-Funktionärin und Linke-Politikerin Eifler verbreitet. Zudem erhielten sie und DGB-Sekretär Tobias Huth Drohbriefe (siehe dazu Interview in jW vom 23.7.).

Der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Hanau-Fulda, Robert Weißenbrunner, sagte am Montag angesichts der Gewalttat: »Der Angriff zeigt, dass die verbalen Entgleisungen der AfD, wie wir sie in der letzten Woche gegen Ulrike Eifler und Tobias Huth erlebt haben, in offene Gewalt umschlagen können.« Die Gewerkschafter stellten sich »geschlossen gegen den Hass, den die AfD schürt und der die Gesellschaft auseinandertreibt«. Auch der Geschäftsführer des Verdi-Bezirks Main-Kinzig-Osthessen, Berthold Leinweber, zeigte sich entsetzt über den Vorfall und forderte eine konsequente Strafverfolgung der namentlich bekannten Täter. Beate Rohrig, Bezirksleiterin der IG BCE Mittelhessen, konstatierte, die AfD stehe »nicht nur programmatisch für eine arbeitnehmerfeindliche Politik«. Sie sei »offensichtlich auch eine Bedrohung für organisierte Gewerkschafter«.

Prominenter Gast der AfD-Zusammenkunft in Hanau war übrigens die Bundestagsabgeordnete Beatrix von Storch, zugleich Mitglied im Bundesvorstand. (jW)

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