Aus: Ausgabe vom 23.07.2018, Seite 2 / Ausland

Fünfte Kolonne zieht ab

Israel bringt Mitglieder der »Weißhelme« aus Syrien ins Nachbarland

Von Karin Leukefeld
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Bellizisten mit weißen Hemden: Mitglieder der »Syrischen Zivilschutzkräfte« werben für eine westliche Intervention in Syrien (Aleppo, 27.8.2016)

In der Nacht zu Sonntag sind 800 sogenannte Weißhelme und ihre Angehörigen von der israelischen Armee aus dem Südwesten Syriens evakuiert worden. Die Personen wurden über die »Alpha-Linie« der UN-kontrollierten entmilitarisierten Pufferzone auf den Golanhöhen, die durch die syrischen Provinzen Daraa und Kuneitra verläuft, nach Israel gebracht. Unter den Evakuierten sollen neben Mitarbeitern der »Syrischen Zivilverteidigungskräfte« (Weißhelme) auch sogenannte Bürgerjournalisten sein.

Die Organisation »Reporter ohne Grenzen« (ROG) hatte die UNO aufgefordert, zum Schutz von 69 Journalisten, von denen die ROG Kenntnis hätten, einen »humanitären Korridor« und eine »diskrete Ausreise« in ein Nachbarland zu organisieren. Israel und Jordanien sollten diese aufnehmen. Den Journalisten drohe Lebensgefahr, sollten sie in die Hände der syrischen Armee fallen, hatte ROG-Geschäftsführer Christian Mihr Mitte Juli erklärt.

Nach Angaben der US-amerikanischen Nachrichtenagentur AP war die Evakuierung am Rande der NATO-Konferenz in Brüssel Mitte Juli beschlossen worden. Die USA, Großbritannien und Kanada seien federführend gewesen. Verschiedene westliche Staaten würden die Männer und ihre Familien aufnehmen. 50 von ihnen sollen in die Bundesrepublik gebracht werden, wie Bundesaußenminister Heiko Maas am Sonntag gegenüber Bild erklärte.

Ein Sprecher der israelischen Streitkräfte bestätigte die Aktion am Sonntag morgen und sprach von einer »außergewöhnlichen humanitären Geste«. Auf Bitten der USA und europäischer Staaten würden die Männer und ihre Angehörigen nach Jordanien gebracht. Von dort aus sollen sie innerhalb von drei Monaten in Drittländer ausgeflogen werden.

Seit ihrer Gründung 2014 werden die »Weißhelme« von westlichen Staaten unterstützt. Die Bundesregierung zahlte ihnen bisher zwölf Millionen Euro, die USA 33 Millionen US-Dollar, und Großbritannien überwies mehr als 74 Millionen Euro. Syrien und seine Verbündeten – Russland, Iran und die Hisbollah – werfen der Gruppe vor, mit den Kampfverbänden gemeinsame Sache zu machen. Sie hätten auch Anschläge mit Giftgas arrangiert, um ein westliches Eingreifen in Syrien zu provozieren.

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