Aus: Ausgabe vom 21.07.2018, Seite 5 / Inland

Arbeitskampf mit Fernwirkung

Streik bei Halberg-Guss: Kunden fordern Ende. Teile werden knapp

Von Stefan Thiel
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Klare Ansage: Kampflos werden sich die streikenden Eisengießer aus Leipzig und Saarbrücken nicht geschlagen geben (Demo in Frankfurt am Main, 12.7.2018)

Die Kundschaft wird so langsam, aber sicher nervös. Der seit mehr als fünf Wochen andauernde Erzwingungsstreik beim Autozulieferer Neue Halberg-Guss GmbH in Saarbrücken und Leipzig (jW berichtete) zeigt Wirkung – und zwar international. Am Freitag erschien in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ein ganzseitiger, vom Kölner Motorenbauer Deutz AG initiierter »Aufruf zur Beendigung des Streiks bei Halberg«. Unterzeichnet wurde der Appell von 26 Unternehmen der Maschinenbaubranche. Darunter befinden sich auch Konzerne aus Italien, Österreich, Schweden und Frankreich.

»Während Management und Arbeitnehmervertretung in Unbeweglichkeit verharren, schlagen die Konsequenzen der mangelnden Kompromissbereitschaft nach mehr als einem Monat des Stillstandes Wellen«, heißt es in der nicht gerade billigen Anzeige. Gegenüber dem MDR sagte ein Deutz-Sprecher, man wolle darauf hinweisen, dass der Streik auch Konsequenzen für die Kunden von Halberg-Guss habe. »Wir bekommen keine Motorblöcke vom Zulieferer. Das führt zu Produktionsausfällen bei uns und bei unseren Kunden«, so der Sprecher. Bereits in der vergangenen Woche hatte der Vorstandsvorsitzende von Deutz, Frank Hiller, in einer Videobotschaft an die Halberg-Guss-Geschäftsführung und die IG Metall appelliert, dem »Wahnsinn« ein Ende zu setzen. Kurzarbeit sei sonst bei Deutz und anderen Kunden unvermeidlich. Dass der Ausstand Folgen für die Kundschaft zeitigt, ist indes schon länger der Fall: Bereits im Juni hatte Opel in Eisenach aufgrund des Streiks für Juli geplante Schließtage vorziehen müssen.

Die Verhandlungen um einen Sozialtarifvertrag und Abfindungen für die insgesamt rund 1.000 von der geplanten Werkschließung in Leipzig und weiterer Stellenvernichtung in Saarbrücken bedrohten Arbeiter sind aktuell für unbestimmte Zeit unterbrochen. Zuletzt gingen Geschäftsführung und IG Metall am Mittwoch ergebnislos auseinander. Hintergrund des geplanten Arbeitsplatzabbaus ist ein Streit um Lieferbedingungen und Preise zwischen dem Halberg-Guss-Eigentümer Prevent und Volkswagen.

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Debatte

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  • Beitrag von Henry F. aus B. (21. Juli 2018 um 10:20 Uhr)

    Ach Ihr Leipziger, wenn ich von Euren Kämpfen gegen Entlassung und Werksschließungen lese, frage ich mich immer wieder, wie viele von Euch gehörten zu denen, die 1989 die DDR abschaffen wollten, und 1990 und auch später bei jeder Wahl die CDU an die Macht in Sachsen brachten? Leid tun mir nur die, die den richtigen Gedanken folgen.

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