Aus: Ausgabe vom 21.07.2018, Seite 1 / Kapital & Arbeit

Zweitagewoche bei Ryanair

Dumpingairline mit Streiks überzogen. In fünf Ländern bleiben Maschinen am Boden

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Arbeitskampf statt Urlaub. Bei Ryanair stehen die Zeichen auf Streik (Dublin, 12.7.18)

Der Billigflieger Ryanair hat wegen eines Pilotenstreiks am Freitag 24 Flüge zwischen Großbritannien und Irland streichen müssen, teilte die irische Gewerkschaft Forsa mit. Sie hatte die Piloten in Irland bereits am 13. Juli zu einer 24stündigen Arbeitsniederlegung aufgerufen und werde auch am kommenden Dienstag in den Ausstand treten. Das Unternehmen teilte am Freitag per Twitter mit, 16 Flüge müssten am Dienstag ausfallen. Die Gewerkschaft solle den Streik absagen. Er werde von weniger als 25 Prozent der Beschäftigten unterstützt. Ein Forsa-Sprecher sagte dem irischen Sender Raidió Teilifís Éireann, der Streik sei die letzte Handlungsmöglichkeit.

Am kommenden Mittwoch und Donnerstag wollen auch die Kabinenbeschäftigten in Spanien, Portugal, Belgien und Italien streiken. Ryanair hat erklärt, dass pro Tag 300 Maschinen am Boden bleiben werden. Die Gewerkschaften wollen durchsetzen, dass die Mitarbeiter in diesen Ländern nach dort geltendem Arbeitsrecht angestellt werden, nicht nach dem Recht Irlands, wo Ryanair seinen Hauptsitz hat; festangestellte Mitarbeiter und Leiharbeiter sollen gleich entlohnt werden.

Ryanair sieht sich seit längerem Vorwürfen ausgesetzt, seine Mitarbeiter deutlich schlechter zu bezahlen als andere Billigfluggesellschaften. Das Unternehmen bestreitet dies. Erst im vergangenen Jahr hatte sich Ryanair nach langem Druck grundsätzlich bereit erklärt, Gewerkschaften anzuerkennen.

Am Mittwoch erkannte die Fluglinie die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi als Vertretung aller ihrer in Deutschland beschäftigten Flugbegleiter an. Die Vereinbarung unterliegt deutschem Recht und gilt laut Verdi auch für die zahlreichen Leiharbeiter bei der Fluggesellschaft. Der Konzern habe ergebnisoffene Tarifverhandlungen garantiert.

Auf einer ersten internationalen Konferenz von Ryanair-Flugbegleitern war Anfang Juli in Dublin ein gesamteuropäischer Forderungskatalog aufgestellt worden.(AFP/jW)


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