Aus: Ausgabe vom 20.07.2018, Seite 9 / Kapital & Arbeit

Dumping-Airline kann nicht abheben

Ryanair muss auch am heutigen Freitag Flüge streichen. Streiks in der nächsten Woche angekündigt

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Prekäre Piloten. In Dublin reicht es den Beschäftigten langsam (12.7.)

Der Billigfluganbieter Ryanair will keine Details zu den streikbedingten Ausfällen in der kommenden Woche nennen. »Wir schlüsseln diese Informationen nicht nach einzelnen Märkten oder Flughäfen auf«, erklärte Unternehmenssprecher Robin Kiely am Donnerstag.

Damit bleibt zunächst unklar, welche Flüge von und nach Deutschland wegen der Flugbegleiterstreiks am kommenden Mittwoch und Donnerstag gestrichen worden sind. Ryanair hat für beide Tage in seinem Europanetz jeweils 300 Flüge abgesagt, rund zwölf Prozent des täglichen Angebots. Laut einer Mitteilung im Kurznachrichtendienst Twitter gehe es um täglich 200 Flüge von und nach Spanien sowie je 50 für Portugal und Belgien. In diesen drei Ländern haben die Gewerkschaften die Flugbegleiter bei Ryanair aufgerufen, die Arbeit niederzulegen. Die rund 100.000 betroffenen Passagiere hat Ryanair nach eigenen Angaben per Mail oder SMS informiert und ihnen Umbuchungen oder Erstattungen angeboten. Die Streiks seien nicht gerechtfertigt und würden nur Familienurlaube stören und der Konkurrenz nutzen, erklärte ein Konzernsprecher. Die Flugbegleiter erhielten Gehälter bis zu 40.000 Euro im Jahr, fügte er hinzu.

Für den heutigen Freitag hat Ryanair wegen eines Streiks der irischen Piloten 24 Flüge zwischen Irland und Großbritannien gestrichen. Weitere Aktionen der Beschäftigten sollen dort am kommenden Dienstag erfolgen. Betroffen sind rund 4.000 Passagiere. Bereits am 12. Juli waren zahlreiche Maschinen in Irland am Boden geblieben (jW berichtete). Der Berufsverband Vereinigung Cockpit (VC) unterstützt den Arbeitskampf: »Um faire und transparente Arbeits- und Vergütungsstrukturen zu schaffen sowie angemessene Rahmenbedingungen für einen sozialpartnerschaftlichen Dialog zu etablieren.« Die Streiks in Irland seien ein »Weckruf für Ryanair in seinem Heimatmarkt«, erklärte ein Sprecher der VC.

Am Mittwoch hatte Verdi mitgeteilt, dass Ryanair die Dienstleistungswerkschaft als »gewerkschaftliche Vertretung aller ihrer in Deutschland beschäftigten Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter« anerkenne. Es sei eine der ersten Vereinbarungen, die für alle Kabinenbeschäftigten getroffen wurde – auch für die zahlreichen Leiharbeiter bei Ryanair. Darüber hinaus unterliege die Vereinbarung deutschem Recht. Ergebnisoffene Tarifverhandlungen würden garantiert, und die Regelungen zur Tarifkommission entsprächen nationalen Standards. Verdi unterstützt im Rahmen einer internationalen Kampagne alle Partnergewerkschaften der Internationalen Transportarbeiterföderation ITF in Spanien, Italien, Belgien und Portugal. Gemeinsam mit Gewerkschaften in mehr als dreizehn Ländern fordert Verdi Ryanair auf, die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten zu verbessern. (dpa/jW)

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