Aus: Ausgabe vom 19.07.2018, Seite 7 / Ausland

Xi auf Tournee durch Afrika

Chinas Präsident nutzt Weg zum BRICS-Gipfel in Johannesburg, um Handelsbeziehungen auszubauen

Von Georges Hallermayer
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Willkommensgruß für Xi Jinping bei einem Besuch 2013 in Tansania

Chinas Präsident Xi Jinping will mit einer Reise durch mehrere Staaten Afrikas die Wirtschaftsverbindungen zwischen der Volksrepublik und dem Kontinent verstärken. Höhepunkt der Tournee wird dann in der kommenden Woche das Gipfeltreffen der BRICS-Staaten Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika in Johannesburg sein.

Zunächst besucht Xi am heutigen Donnerstag jedoch Abu Dhabi, die Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate. Es ist der erste Besuch eines chinesischen Präsidenten seit zwei Jahrzehnten. Bei dem mit den USA verbündeten Golfstaat will Xi um Unterstützung für die Initiative zu einer »neuen Seidenstraße« werben, die das Reich der Mitte mit dem Westen verbinden soll. Beijing hat in diesem Zusammenhang bereits Kredite im Umfang von 23 Milliarden US-Dollar für Projekte in arabischen Staaten freigegeben.

Auch Senegal, wo Xi am Freitag erwartet wird, ist vor neun Jahren zum letzten Mal von einem chinesischen Staatschef besucht worden. Der Präsident des westafrikanischen Landes, Macky Sall, will mit dem Gast nicht nur das »Museum der schwarzen Zivilisationen«, ein Geschenk der Volksrepublik, einweihen, sondern auch verschiedene Wirtschaftsabkommen vereinbaren. Die Ökonomie des Senegal wird nach einer Prognose der Weltbank 2018 um sieben Prozent wachsen und damit eine ähnliche Steigerungsrate wie im Vorjahr verzeichnen. Die neue staatliche Fluggesellschaft Air Sénégal hat dieses Jahr ihren Betrieb aufgenommen, nachdem Ende 2017 der internationale Flughafen ­»Blaise Diagne« in Dakar eingeweiht worden war. Der Binnennachfrage kommt die Erhöhung des Mindestlohns ab Juni um fast die Hälfte zugute, nachdem er seit 1996 bei umgerechnet 0,32 Euro pro Stunde eingefroren war.

Ruanda kann am 23. Juli zum ersten Mal überhaupt einen Präsidenten aus der Volksrepublik begrüßen. Auch dort liegen mehrere Abkommen unterschriftsreif vor. Der ruandische Präsident Paul Kagame nimmt sogar in Kauf, in den Handelskrieg mit den USA hineingezogen zu werden. Um die einheimische Textilindustrie zu stärken, hatte er sich geweigert, gebrauchte Kleidung aus den Vereinigten Staaten abzunehmen. Als Reaktion darauf könnte Ruanda die Privilegien verlieren, die ein im Jahr 2000 vom US-Kongress verabschiedetes »Gesetz zur Förderung des Wachstums und der Chancen für Afrika« (englische Abkürzung AGOA) afrikanischen Staaten einräumt.

Kagame ist auch amtierender Präsident der Afrikanischen Union (AU). Deshalb steht bei Xis Visite in Kigali auch die Vorbereitung des im September in Beijing stattfindenden China-Afrika-Gipfels FOCAC auf der Tagesordnung.

Station machen will Xi Jinping am 26. Juli auch in Mauritius. Über den Inselstaat wird ein Großteil der Finanztransaktionen zwischen Afrika und China abgewickelt. So investierten afrikanische Unternehmen nach Angaben der chinesischen Regierung 2012 14,2 Milliarden US-Dollar in der Volksrepublik, was einem Anteil von 5,8 Prozent aller ausländischen Direktinvestitionen in China entsprach.

In Johannesburg will sich Xi dann gemeinsam mit dem südafrikanischen Präsidenten Cyril Ramaphosa für eine Festigung der BRICS einsetzen, »um den USA die Stirn zu bieten«, wie das von Réunion aus betriebene ­Chine Magazine am 13. Juli schrieb. Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika bestreiten zusammen rund 34 Prozent des Welthandels und erwirtschaften etwa 31 Prozent des globalen Bruttosozialprodukts. Anfang Juni hatten die BRICS-Staaten bereits den »Protektionismus« Washingtons verurteilt, der »das globale Wachstum untergräbt«.

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