Aus: Ausgabe vom 17.07.2018, Seite 15 / Betrieb & Gewerkschaft

Mitbestimmung passt nicht ins Weltbild

Augsburger Verlag will Betriebsratsvorsitzendem fristlos kündigen

Von Stefan Thiel
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Bild aus besseren Zeiten: Seit der Übernahme durch einen Düsseldorfer Milliardär geht es für die Beschäftigten bei Weltbild stetig bergab (Filiale der damaligen Verlagsgruppe in Schwerin; 2014)

Die Weltbild GmbH hat offensichtlich ein Problem mit der Mitbestimmung. Wie die Gewerkschaft Verdi am 9. Juli mitteilte, will das Augsburger Verlags- und Versandhandelsunternehmen den Vorsitzenden des Betriebsrates loswerden. Hierzu hat die Geschäftsführung beim zuständigen Arbeitsgericht ein sogenanntes Zustimmungsersetzungsverfahren beantragt, um die fristlose Kündigung des Betroffenen auch gegen den Willen der Interessenvertreter durchsetzen zu können.

Als Hintergrund für dieses Vorgehen kommt für Verdi nur »das Ablenken von den dramatischen Managementfehlern bei Weltbild und die Einschüchterung der Belegschaft in Frage«. Um die »planlosen Strategien des Gesellschafters Droege aus Düsseldorf gegen jede Vernunft und den Willen der Belegschaft durchzusetzen«, wolle man den Betriebsratsvorsitzenden »auf ganz schäbige Art und Weise aus dem Unternehmen entsorgen«, erklärte der zuständige Gewerkschaftssekretär Thomas Gürlebeck in der Mitteilung.

Mit »schmutzigen Tricks« und »ehrverletzenden Behauptungen« wolle man den »starken und beschäftigtenorientierten Betriebsrat einschüchtern und schwächen«, so Gürlebeck weiter. Die Kapitalseite beabsichtige offenbar, »Angst und Verunsicherung« im Unternehmen zu schüren, um Beschäftigtenrechte weiter einschränken zu können. »Der Vorwurf gegen den Betriebsratsvorsitzenden, er habe aktiv zu Straftaten angestiftet«, sei skandalös und suche seinesgleichen.

Anfang der 2000er Jahre gehörte die damalige Verlagsgruppe Weltbild noch zu den Marktführern im Filial- und Onlinebuchhandel. Das Unternehmen befand sich zu hundert Prozent im Besitz der katholischen Kirche. Im Jahr 2014 musste jedoch Insolvenz angemeldet werden und der Düsseldorfer Milliardär Walter Droege übernahm das Unternehmen. Seitdem ging es für die Beschäftigten immer weiter bergab. Von 1.300 Mitarbeitern im Jahr 2014 sind nur noch 350 übriggeblieben. Der Umgang sei »rücksichtslos« und das Betriebsklima »vergiftet«, kritisiert Verdi.

Wer sich mit dem betroffenen Betriebsrat solidarisieren und seinen Unmut über die beschäftigtenfeindlichen Praktiken bei Weltbild äußern möchte, kann dies mit Protestpostkarten direkt an die Geschäftsführung tun. Entsprechendes Material kann beim Verdi-Bezirk Augsburg unter der E-Mail-Adresse fb12.augsburg@verdi.de geordert werden.

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