Aus: Ausgabe vom 14.07.2018, Seite 10 / Feuilleton

»Bumm, Bumm, Bumm«

Besser Leben mit Donald Duck

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Herr-und-Knecht-Dialektiker aufgepasst: Dieser Typ ist sehr nervös!

Das Selberschuldseinsollen am Gefühl jeglichen Unbehagens gehört zum Basisbildungsauftrag im Spät- und Spätestkapitalismus. Immerzu soll man besser leben und sich optimieren und zwar erst recht, wenn man gesellschaftlich Probleme bekommt. Die Internalisierung der sozialen Widersprüche kommt gleich nach der Sakralisierung des Eigentums.

Das schafft nicht jeder. Donald Duck rastet regelmäßig aus. Weil er so arm ist und weil sein reicher Onkel Dagobert deshalb denkt, alles mit ihm machen zu können. Kann er aber nicht, denn Donald Duck entwickelt regelmäßig Allmachtsphantasien, die ihn aber nicht – wie noch von Horkheimer und Adorno eingeschätzt – zum exemplarisch scheiternden Deppen machen, sondern zum potentiellen Sozialrevolutionär des Alltagslebens. Herr-und-Knecht-Dialektiker aufgepasst: Dieser Typ ist sehr nervös!

Wenn nun der Egmont-Verlag ein Psychoratgeberbuch mit Donald Duck unter dem Titel »Finde deine innere Ente«, herausbringt, kann das nur ein Witz sein, aber ein guter. Zum Beispiel als Kassiber an die sedierte SPD: »Ist Schlafen dein einziger Sport, könnte Raserei eine geeignete Form der Leibesertüchtigung sein.« Oder ein noch wichtigeres Thema: Menschen, die beim Abnehmen immer dicker werden, verspricht Donald Abnehmen durch mehr Essen. Klappt aber nur bei ihm. Und wer zu aufgeregt ist, der soll Zeige- und Ringfinger der rechten Hand auf die Unterseite des linken Handgelenks legen und den Puls zählen, der geht bei Donald natürlich »Bumm, Bumm, Bumm«. Das hat den Vorteil, das man nicht mit den Händen wild in der Luft rumfuchteln kann. »Das schützt uns und unsere Suppenschüsseln«.

Verfasst hat diese Tipps Comedy-Coach Christian Eisert, der früher Gags für Harald Schmidt geschrieben hat. Dazu gibt es hübsche Beispielcomics mit Donald Duck, der hier unter anderem als falscher Friseur, unfähiger Bäcker und tapferer Lebensretter unterwegs ist. Für jedes Problem hat Eisert eine »ultimative Universallösung« ersonnen, ähnlich wie es im Buch der Bücher, dem »Schlauen Buch des Fähnlein Fieselschweif« stehen muss, das ja leider nur bei den Pfadfindern in Entenhausen existiert.

»Finde deine innere Ente« kommt nicht heran an den linksfreudianischen Klassiker des Frühdonaldismus, »Die Ducks. Psychogramm einer Sippe«, den ein Autorenkollektiv um den bayrischen Rockmusiker und Journalisten Carl-Ludwig Reichert unter dem Pseudonym »Grobian Gans« 1970 vorgelegt hat, ist aber trotzdem überzeugend. Weil es Donald Duck als einen der vielschichtigsten ­Comiccharaktere ernst nimmt. (cm)

Disney: Finde deine innere Ente. Mit Texten von Christian Eisert, Egmont, ­Berlin 2018, 206 S., 20 Euro

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