Aus: Ausgabe vom 14.07.2018, Seite 11 / Sport

Der Sieger gewinnt

Das (kleine) Schizo-Finale zwischen England und Belgien. Samt einer salomonischen Exklusivprognose von Gerhard Polt und dem endgültigen WM-Urteil von Thomas Gsella

Von Jürgen Roth
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Da kann einem schon die Lust vergehen: Es wird nichts mehr mit England und dem Fußball

Sonnabend, 16 Uhr, Belgien – England

Genau so hatte es der mephistophelische Mehrheitsmeinungsmacherredakteur Mergmeueler geplant: dass »der historisch einzigartige Fall eintritt, dass der Roth mit England und Belgien das Finale gegen sich selbst bestreitet. Das gab es noch nie!« Und sei es – da sind wir nicht allzu streng, pfff –, dass der geprügelte Straßenhund Roth das quarksüße kleine Finale gegen sich selbst bestreitet. Hehe, da ist der Erzliberalist Mergmeueler keineswegs kleinlich. Hü hott! Spring, Roth, spring! Apartes Stöckchen, oder?

Ein in der Geschichte des deutschen Presswesens einzigartiger Casus: »Freier Autor zur Schizophrenie gezwungen!« (Bild, 14. Juli 2018) Genau, genau.

Folglich ruft dieser genüsslich Genarrte Gerhard Polt an. Ja, den Gerhard Polt.

»Gerhard, du warst in Italien, und da war von der WM nix mitzubekommen?« – »Naa, überhaupt … Also, ich nicht, weil ich bin nicht in irgendwelche Häuser, wo vielleicht des ang’schaut wird, des weiß ich net. Jedenfalls war im öffentlichen Leben, hast du vom Fußball wenig mitbekommen – oder goar nix eigentlich. Da ham’s normal Spaghetti gegessen oder amal a oder irgendwie a, was die halt essen, aan Fisch, aber vom Fußball hab’ i nix bemerkt.« – »Das heißt, du als Experte für Schweden kannst mir auch gar nix sagen über das Abschneiden des Schwed’?« – »Aber auch die Schweden … Ich hab’ auch dieses Spiel nicht geseh’n. Ich hab’ nur irgendwie mal gehört … Wart amal, gegen wen sind die rausg’flog’n? Woaß i jetz’ goar nemmer. War’n ’s die Engländer oder irgend jemand anders? I woaß nur, dass sie, dass sie, äh … Gott, ich woaß wirklich net. Keine Ahnung. Weil ich hab’ immer italienisches Fernseh’n ang’schaut, weißt du, und da hob’ i also von Fußball nichts geseh’n.« – »Darf ich trotzdem fragen, wie Belgien gegen England ausgeht?« – »Ich sag’ des, was ich immer gern sage: Ich hoffe, dass der Sieger auch gewinnt.«

Belgien: Nichtgewinner, England: Sieger. (Freie Toranzahlwahl)

Jürgen Roth

Belgien – England 3:4

Ich bin diesbezüglich ja skandalöserweise nicht mehr zuständig, gebe jedoch, auf dass mich der Redakteur Mergmeueler wegen Abweichlertums ruhig neuerlich schelten möge, dennoch zu Protokoll, was mir Manni Breuckmann am Donnerstag mailte: »Scheiße aber auch. Nach einer Stunde haben sich die heißen, irregeleiteten Herzen durchgesetzt. Gegen Frankreich wird das nicht möglich sein. Außerdem gehen sie nach drei Verlängerungen aufm Zahnfleisch. Liberté, Fraternité, Mbappéité!«

Und während der Luxusredakteur Mergmeueler in der jW-Premiumkantine schwer bebenden Magens einen Schwed’teller schweinisch, aber schwelgerisch hinunterschlingt, rufe ich den faulsten Dichter Deutschlands an, Thomas Gsella.

»Thomas, du bist ein Essener Urflöz.« – »Ja.« – »Somit stehst du auf der Seite der Arbeiterklasse. Ist es da nicht eine weltgeschichtliche Katastrophe, dass Kroatien gegen England ins Finale gekommen ist?« – »Weil die Kroaten noch immer mit Hitler zusammenarbeiten?« – »Genau. Und die Arbeiterklasse verraten.« – »Ja, das stimmt. Natürlich ist das scheiße. Die ganze WM ist ja scheiße. Eigentlich hätte Panama gegen Kolumbien im Endspiel sein sollen – also dass die alten Kolonialgebiete endlich mal dem Westen reinscheißen. Aber das ham sie halt nicht gepackt. Ich bin entschieden dagegen, dass Kroatien weitergekommen ist, aber ich wäre auch dagegen gewesen, wenn England weitergekommen wäre.« – »Warum?« – »Ach, die Revolution ist ja auch da schiefgelaufen. Das Beste wär’ gewesen, wenn Dortmund im Halbfinale … Das wär’ das einzig Gute gewesen.« – »Wie wird denn das grandiose Spiel zwischen England und Belgien, beide mit einer Bergbautradition behaftet, ausgehen?« – »Da wird sich leider wieder zeigen, dass die Engländer, obwohl sie ja viel Hoffnung hatten dieses Mal, immer noch nicht Fußball spielen können im Gegensatz zu den drei Leuten von Belgien. Deswegen gewinnt Belgien 4:0 gegen England, die danach aufhören werden, überhaupt noch Fußball zu spielen.«

Jetzt habe ich gerade auf der Zahnpastatube, die vor mir liegt, »Pentagon« statt »Perlodent« gelesen. Na so was.

Jürgen Roth

Belgien – England 4:0

Gsella:
Polt:

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