Aus: Ausgabe vom 14.07.2018, Seite 4 / Inland

Assimilieren statt integrieren

Innenministerium plant Neuausrichtung der Deutschen Islamkonferenz. »Deutscher Islam« das Ziel

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Islamunterricht auf deutsch reicht nicht. Muslime sollen einen »deutschen Islam« definieren

Das Bundesinnenministerium will die vor zwölf Jahren ins Leben gerufene Deutsche Islamkonferenz neu ausrichten. Statt wie bisher sollen nicht bloß Verbände teilnehmen. Auch Einzelpersonen werden nach den Plänen des Ministeriums an der Islamkonferenz teilnehmen können. Das neue Ziel des von der Bundesregierung einberufenen Forums für Muslime in der Bundesrepublik soll die Definition eines »deutschen Islam« sein.

Gegenüber Bild sagte Markus Kerber, Staatssekretär im Innenministerium, am Freitag, man könne lange streiten, ob der Islam zu Deutschland gehöre oder nicht. »Minister Seehofer hat sich eindeutig festgelegt« sagte Kerber dazu. Horst Seehofer (CSU) hat im März, ebenfalls gegenüber Bild, erklärt, dass der Satz »Der Islam gehört zu Deutschland« falsch sei. Allerdings gelte dies nicht für die in der BRD lebenden Muslime, fügte Seehofer damals hinzu.

Für Kerber gehe es in Zukunft um die Frage, ob es einen »deutschen Islam« geben könne. Der zeichne sich dadurch aus, dass er auf gewisse juristische und kulturelle Rahmenbedingungen basiere, sagte der für den Themenbereich Heimat zuständige Staatssekretär dem Blatt. Die Antwort auf diese Frage könnten laut Kerber nur »deutsche Muslime« geben. Sie müssten dann eine Definition erarbeiten, die »auf dem Boden unserer Verfassung« stehe. Schließlich, befand der Staatssekretär, gebe es auch einen deutschen Katholizismus, einen deutschen Protestantismus und ein deutsches Judentum.

In Zukunft solle die Islamkonferenz flexibler besetzt werden, indem es keine festen Mitgliedschaften mehr geben werde. Dies kündigte eine Ministeriumssprecherin am Freitag in Berlin an. Vielmehr solle die personelle Zusammensetzung vom Thema abhängen. Vermutlich im November sollen laut Kerber Einzelpersonen als Mitglieder zugelassen werden, »sicher auch kritische muslimische Stimmen zum Islam«, wie er betonte.

Die Islamkonferenz war 2006 von dem damaligen Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) einberufen worden, um die Beziehungen zwischen dem deutschen Staat und den in Deutschland lebenden Muslimen zu intensivieren. In der Vergangenheit hatte es immer wieder Kritik an dem Format gegeben. Im März haben säkulare Migrantenverbände die Islamkonferenz für gescheitert erklärt, falls sollte sie nicht reformiert werde. (AFP/jW)

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