Aus: Ausgabe vom 14.07.2018, Seite 2 / Ausland

Riesenbaby zu Besuch

Großdemonstrationen gegen US-Präsident Donald Trump in London

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Sechs Meter hoch ist dieser Plastik-Trump in Windeln, der am Freitag am Himmel über London schwebte

Zehntausende Menschen haben am Freitag in London gegen den Besuch von US-Präsident Donald Trump protestiert. Gewerkschaften, Menschenrechtsaktivisten, Friedensinitiativen, religiöse Gruppen und linke Parteien hatten zu mehreren Demonstrationszügen aufgerufen, die durch das Zentrum der britischen Hauptstadt zogen. Insgesamt wurden nach Angaben der Initiative »Stop Trump« rund 100.000 Menschen bei den Protestaktionen erwartet. Hunderte hatten sich bereits am Vormittag auf dem Parliament Square versammelt und beobachtet, wie ein etwa sechs Meter großer Heliumballon in Form eines Trump-Babys in Windeln über dem Platz schwebte. Londons Bürgermeister Sadiq Khan verteidigte am Freitag die Genehmigung dieser satirischen Aktion gegen Kritiker, die den Ballon als beleidigend gegenüber Trump empfunden und ein Verbot gefordert hatten. »Ehrlich gesagt, ist die Idee, dass wir das Recht auf Meinungsfreiheit einschränken, weil sich ein ausländischer Politiker auf den Schlips getreten fühlen könnte, ein Gang am Abgrund«, erklärte Khan am Freitag gegenüber der BBC.

Die britische Premierministerin Theresa May fordere Trump auf, dem russischen Präsidenten Wladimir Putin konsequent gegenüberzutreten. »Wichtig ist, dass er ihm aus einer Position der Stärke und einer Position der Einigkeit innerhalb der NATO-Partner gegenübertritt«, sagte May am Freitag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem US-Präsidenten auf dem Landsitz Chequers bei London. Trump reagierte mit dem Versprechen, bei seinem für Montag in Helsinki geplanten Treffen mit Putin keinen weichen Kurs einzuschlagen: »Wir sind viel härter gegenüber Russland gewesen als jeder andere.« Er erinnerte daran, dass er die übrigen NATO-Staaten beim Gipfel in Brüssel zu der Zusage gedrängt habe, ihre Verteidigungsausgaben zu erhöhen. »Glauben Sie, dass Putin darüber glücklich ist? Das denke ich nicht.« Erneut attackierte er die Bundesrepublik: »Milliarden und Abermilliarden fließen vor allem aus Deutschland in die Taschen Russlands«, sagte er mit Blick auf die Importe von Erdgas und anderen Energieträgern. Der Bau der Pipeline »Nord Stream 2«, über die russisches Gas nach Westeuropa transportiert werden soll, sei »ein furchtbares Ding«.

Zudem relativierte Trump ein Interview, das er dem Boulevardblatt Sun gegeben und in dem er May heftig angegriffen hatte. Der in der Zeitung veröffentlichte Text sei »Fake News«, so Trump. Die Story sei »allgemein in Ordnung« gewesen, aber sie habe die »positiven Äußerungen« ausgespart, die er über May gemacht habe. Das Weiße Haus werde daher in Zukunft alle Interviews selbst aufnehmen. In dem am Donnerstag abend veröffentlichten Gespräch hatte er der Premierministerin mit dem Scheitern eines möglichen Handelsabkommens mit den USA gedroht, wenn Großbritannien nach dem »Brexit« zu enge Anbindungen an die EU behalten würde. (dpa/AFP/jW)

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