Aus: Ausgabe vom 13.07.2018, Seite 1 / Ausland

Ryanair-Beschäftigte im Streik

Piloten in Irland fordern einheitliche Bedingungen für alle Beschäftigten

Von Simon Zeise
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In Dublin blieben am Donnerstag etliche Maschinen am Boden

Nachtflugverbot durchgesetzt: In Irland haben Beschäftigte am Donnerstag ab ein Uhr morgens den Billigfluganbieter Ryanair bestreikt, teilte die Pilotengewerkschaft IALPA mit. Es war der bisher größte Ausstand in der Geschichte des Unternehmens. Ryanair hatte bereits angekündigt, dass wegen des auf 24 Stunden angesetzten Streiks bis zu 30 seiner 290 Flüge von und nach Irland nicht stattfinden würden. Betroffen waren vor allem Routen zwischen der grünen Insel und Großbritannien, auf denen Ryanair täglich mehrfach fliegt.

Die Airline ist mit rund 430 Flugzeugen, 130 Millionen Passagieren pro Jahr und mehr als 4.000 Piloten der größte Anbieter von innereuropäischen Flügen. Wichtige Basen in Deutschland sind unter anderem Berlin-Schönefeld, Frankfurt am Main, Weeze und Hahn. Ryanair hatte im vergangenen Herbst aus Pilotenmangel erhebliche Probleme und musste rund 20.000 Verbindungen streichen. Ryanair-Chef Michael O’Leary gab damals einen Kurswechsel bekannt und erklärte, dass man die bisher strikt antigewerkschaftliche Linie aufgebe und Verhandlungen für das gesamte fliegende Personal anstrebe.

Davon kann bislang nicht die Rede sein. Die Gewerkschaft hatte ihre Forderungen in einem Eckpunktepapier fixiert und dem Ryanair-Management übergeben. Forsa hatte am Mittwoch abend mitgeteilt, dass ein letztes Gespräch mit Ryanair nur »sehr geringe Fortschritte« gebracht habe.

Die deutsche Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) unterstützte den Arbeitskampf: »Um faire und transparente Arbeits- und Vergütungsstrukturen zu schaffen sowie angemessene Rahmenbedingungen für einen sozialpartnerschaftlichen Dialog zu etablieren«, stünden die europäischen Ryanair-Piloten geschlossen hinter den Forderungen ihrer irischen Kollegen, erklärte VC am Donnerstag. »Einheitliche Bedingungen für alle Beschäftigten« müssten her, sagte ein Sprecher zu jW. Gehälter und Arbeitsbedingungen seien von Standort zu Standort unterschiedlich. Pro Station müssten die Beschäftigten Individualverträge unterzeichnen, viele von ihnen arbeiteten bei Subunternehmen. Ryanair-Boss O’Leary macht sich einen schlanken Fuß. Er könne nur mit Beschäftigten verhandeln, die auch in seinem Konzern angestellt seien, lässt er die Piloten wissen. Einen Tarifvertrag gebe es nur unter den gegebenen Verhältnissen: Die prekär Beschäftigten sollen weiterhin außer Hauses angestellt bleiben. Mehr Geld soll nur bekommen, wer noch mehr arbeitet.

Zudem nutzt Ryanair die outgesourcten Piloten, sogenannte Contracter, als Streikbrecher. Viele von ihnen seien am Donnerstag in Bereitschaft oder aus anderen Ländern nach Irland versetzt worden. Auch deshalb fordern die Gewerkschaften, dass alle Beschäftigten beim Mutterkonzern angestellt werden.

Der Druck auf O’Leary steigt. Bereits im Dezember hatten Ryanair-Piloten in Deutschland die Arbeit für einige Stunden niedergelegt. Im April hatten die Beschäftigten im portugiesischen Faro mehrere Tage gestreikt. In den kommenden Tagen sollen die an zehn deutschen Basen stationierten Ryanair-Piloten darüber abstimmen, ob sie für ihre Forderungen in einen unbefristeten Ausstand treten wollen. Mit dem Ergebnis ist VC zufolge nicht vor Ende Juli zu rechnen.

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