Aus: Ausgabe vom 11.07.2018, Seite 10 / Feuilleton

Ugowski, Verhoeven

Von Jegor Jublimov
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Man sah die Ugowski in den letzten Jahren selten, weil sie – wie sie kürzlich in einem Interview sagte – Klischeerollen strikt ablehnt.

Zu ihrem heutigen 75. Geburtstag erhält Karin Ugowski ein besonderes Geschenk: Ihr neuer Kinofilm startet. In der israelischen Produktion »Foxtrot« (über die im Herkunftsland wegen der pazifistischen Aussage stark diskutiert wird) spielt sie die demente Mutter des Helden – eine kleine, aber markante Rolle, die sie in Gedenken an ihre eigene Mutter gestaltete. Man sah die Ugowski in den letzten Jahren selten, weil sie – wie sie kürzlich in einem Interview sagte – Klischeerollen strikt ablehnt. Zu dieser Erkenntnis kam sie allerdings erst, nachdem sie bis vor zehn Jahren 168mal in der Telenovela »Wege zum Glück« mitgespielt hatte.

Die Berlinerin, die bis 2003 jahrzehntelang an der Berliner Volksbühne gearbeitet hatte, wollte ursprünglich Medizin studieren. Theaterfeuer fing sie, als sie eine Freundin zum Vorsprechen begleitete. Schon während des Studiums an der Babelsberger Filmhochschule wurde sie 1962 als Gold­marie für den Märchenfilm »Frau Holle« entdeckt. Obwohl sie als Prinzessin in »Die goldene Gans« und »König Drosselbart« langanhaltenden Erfolg hatte, mochte sie die Rollen nicht sehr. Emanzipierte Frauen waren ihr lieber. Als eine der ersten Kriminalistinnen im deutschen Fernsehen wirkte sie zu Beginn der siebziger Jahre zweimal beim »Polizeiruf 110« mit, spielte im Science-Fiction- und im Indianerfilm.

Ein Leben als Schauspieler, Regisseur, Autor, Produzent und nicht zuletzt Kinobesitzer – und zwar gleichzeitig, das kann schon auf Erfüllung hindeuten. Als junger Mann war der ab Freitag 80jährige Michael Verhoeven Schauspieler, seit 1967 auch Produzent. Wie hoch sein künstlerischer Anspruch ist, wird daran deutlich, dass in der Strindberg-Adaption »Paarungen« sein Vater Paul Verhoeven und Lilli Palmer die Hauptrollen spielten. »Wer Filme macht, leistet politische Arbeit«, war das Credo des Filmemachers, der 1970 mit seinem Antikriegsfilm »o. k.« einen Eklat bei den Berliner Filmfestspielen auslöste. Dabei drehte er auch Unterhaltungsfilme, um das Geld zu verdienen, mit dem er seine schwereren Stoffe zur Not auch allein finanzieren konnte. Für »Die weiße Rose« über den antifaschistischen Einsatz der jungen Leute um die Geschwister Scholl wollte ihm in der BRD niemand auch nur einen Pfennig geben. 1983 gewann der Film, der auch in der DDR lief, immerhin drei Filmpreise. Die Oscar-Nominierung 1991 für »Das schreckliche Mädchen« war sicherlich der Höhepunkt seiner Karriere und ermöglichte ihm, George Taboris autobiographische Erzählung »Mutters Courage« 1995 zu verfilmen. Jüngster Erfolg als Produzent war 2016 »Willkommen bei den Hartmanns«, in dem sein Sohn Simon Regie führte und seine Frau Senta Berger eine Hauptrolle spielte.

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