Aus: Ausgabe vom 11.07.2018, Seite 9 / Kapital & Arbeit

Durchsuchungen bei Samsung

Justiz in Südkorea geht gegen gewerkschaftsfeindliche Politik des Konzerns vor

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Pflichten des Amtes: Moon Jae In spricht anlässlich der Eröffnung einer neuen Smartphonefabrik von Samsung Electronics im indischen Noida (9.7.2018)

In Südkorea haben Staatsanwälte und Polizisten am Dienstag mehrere Büros von Samsung Electronics durchsucht. Hierbei handelt es sich um die Technologiesparte des unter anderem auch im Schiffbau und im Immobiliensektor tätigen Samsung-Konzerns. Über die Durchsuchungen berichteten lokale Medien.

Hintergrund ist demnach ein Ermittlungsverfahren wegen des Vorwurfs, die Firma habe den Versuch von Beschäftigten, im Unternehmensbereich für Reparaturdienstleistungen eine Gewerkschaftsorganisation zu bilden, systematisch sabotiert. Die Staatsanwaltschaft der Hauptstadt Seoul schickte mehrere Ermittler zum Firmensitz von Samsung, um mit dem Sachverhalt in Verbindung stehende Dokumente und Festplatten zu suchen und zu beschlagnahmen.

Im Bereich für Reparaturdienstleistungen war 2013 erstmals eine Gewerkschaftsorganisation gegründet worden. Samsung wird verdächtigt, in die danach einsetzenden Versuche, die Gewerkschaftsarbeit zu behindern und diese Organisation wieder zu zerstören, direkt verwickelt zu sein. Der Konzern ist in Südkorea für seine Antigewerkschaftspolitik bekannt, gerät deswegen aber neuerdings zunehmend unter Beschuss. Der 2017 gewählte Präsident Moon Jae-In gilt für südkoreanische Verhältnisse als »arbeiterfreundlich«. Was unter konservativen Präsidenten undenkbar gewesen wäre, ist unter Moon möglich: Staatsanwälte gehen den Vorwürfen gegen Samsung tatsächlich nach. Bereits am 24. Mai waren im Zuge dieser Ermittlungen in Seoul Büros von Samsung durchsucht worden. Ein daraufhin beantragter Haftbefehl für den verantwortlichen Manager der Reparatursparte wurde von einem Gericht zweimal aufgehoben. Zwei andere Verdächtige wurden jedoch inzwischen inhaftiert. Auf deren Aussagen stützten sich die neuen Durchsuchungen.

Samsung ist das weitaus größte südkoreanische Unternehmen und wird von einer einzelnen Familie kontrolliert. Der Konzern war zuletzt auch in einen politischen Bestechungsskandal verwickelt. Erst im Februar 2018 wurde eine fünfjährige Gefängnisstrafe gegen den Konzernlenker Lee Jae-Yong zur Bewährung ausgesetzt. Er war 2017 wegen Bestechung der inzwischen abgesetzten und zu einer langjährigen Freiheitsstrafe verurteilten Präsidentin Park Geun-Hye inhaftiert worden. (Xinhua/jW)

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