Aus: Ausgabe vom 05.07.2018, Seite 4 / Inland

Regenbogenfarben gegen braune Hetze

Christopher-Street-Day in Köln: Initiatoren verteidigen Gleichstellung sexueller Minderheiten

Von Markus Bernhardt
Christopher_Street_D_49898670.jpg
Flagge zeigen gegen rechts ist auch auf dem diesjährigen CSD angesagt (hier eine Szene von der Kölner Pride Parade 2016)

Bis zu 500.000 Teilnehmer werden am Sonntag zum diesjährigen Christopher-Street-Day (CSD) in Köln erwartet. Die Parade gilt neben der in Berlin, die in diesem Jahr am 28. Juli stattfinden wird, als größte Manifestation von Lesben, Schwulen, Bi-, Trans- und Intersexuellen im deutschsprachigen Raum.

Seinen politischen Ursprung hat der CSD am 28. Juni 1969. Damals wehrten sich insbesondere schwule Männer in der New Yorker Christopher Street erstmals militant gegen brutale Übergriffe und Repression durch die Polizei. Zwar hat sich die Situation von Lesben, Schwulen, Trans-, Bi- und Intersexuellen vor allem in den letzten Jahren deutlich verbessert. Andererseits erstarkten reaktionäre Kräfte, die die rechtliche Gleichstellung aller Lebensformen in Frage stellen. So fällt die rechte AfD mit Stimmungsmache gegen sexuelle Minderheiten und deren angebliche Privilegierung auf. Und die Rechte erstarke nicht nur in Deutschland, sondern europaweit, sagte Ron Pohle, Sprecher der Bundesarbeitsgemeinschaft »Die Linke.Queer« in der Linkspartei, am Mittwoch gegenüber jW. Gewalt richte sich sowohl gegen Migrantinnen und Migranten als auch gegen Lesben, Schwule und Bi- und Transsexuelle. Die CSD-Kundgebungen in mehreren Städten seien »genau der richtige Ort, um gegen Homophobie, Gewalt, Hass und Rassismus auf die Straße zu gehen«, sagte der Linke-Politiker.

Die politischen Zusammenschlüsse, die die CSD-Demonstrationen vorbereiten, haben umfangreiche Forderungskataloge aufgestellt. In Köln sprechen sich die Organisatoren etwa für die erweiterte Finanzierung der Antidiskriminierungs- und Aufklärungsarbeit in Schulen aus. Zugleich verlangen sie eine »bessere Antidiskriminierungsarbeit für Menschen mit HIV« sowie mehr Mittel für die Aufklärung zu neuen Behandlungsmethoden. Sie beziehen klar Position für eine »Intensivierung der Unterstützung für LGBTIQ*-Geflüchtete«. Außerdem fordern sie die Stärkung der Arbeit mit älteren Homo- und Transsexuellen in der Pflege und »endlich die vollkommene und schnelle Hilfe für alle Opfer des Paragraphen 175 StGB«. Der Strafrechtsparagraph, mit dem nicht nur während der Zeit des deutschen Faschismus, sondern auch in der Alt-BRD Zehntausende schwule und bisexuelle Männer verfolgt wurden, war erst im Jahr 1994 und auch nur aufgrund der Rechtsangleichung mit den Gesetzen der DDR ersatzlos gestrichen worden.

Anders als in Berlin, wo die Handlungsfähigkeit linker Zusammenschlüsse von Lesben und Schwulen durch politische Zerwürfnisse teilweise gelähmt ist, funktioniert deren Zusammenarbeit in Köln gut. Seit nunmehr 17 Jahren ruft die linke Initiative »Queergestellt« entweder zu eigenen CSD-Veranstaltungen auf oder sie beteiligt sich – wie in diesem Jahr geplant – mit einem Block an der Großdemo. »Queergestellt« will insbesondere gegen die geplante Verschärfung des nordrhein-westfälischen Polizeigesetzes und für »alternative und linke Wohn- und Aktionsräume« demonstrieren, wie es auf der Homepage der Initiative heißt. Konkret macht sie sich für das »Autonome Zentrum« (AZ) in Köln stark, das zum Jahresende seine Räumlichkeiten verlieren soll.

CSD Köln am 8. Juli, Start um 12 Uhr an der Deutzer Brücke

colognepride.de

Das junge Welt-Sommerabo

Lesen Sie drei Monate die gedruckte Ausgabe der Tageszeitung junge Welt! Das Abo kostet 62 Euro statt 115,20 Euro und endet automatisch, muss also nicht abbestellt werden. Dazu erhalten Sie das Buch »Marx to go« aus dem Verlag Neues Leben. Dieses Angebot ist nur bestellbar bis 24. September 2018.


Lesetip abgeben

Artikel empfehlen:

Infos und Verweise zu diesem Artikel:

Ähnliche:

Regio:

Mehr aus: Inland