Aus: Ausgabe vom 28.06.2018, Seite 9 / Kapital & Arbeit

Boden noch nicht erreicht

Deutsche-Bank-Aktie auf Allzeittief. Baisse an Frankfurter Börse fürs erste beendet

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Logo des Dax an der Frankfurter Börse

Den dritten Tag in Folge sank der Deutsche Aktienindex, Dax. Zum Handelsstart an der Börse in Frankfurt am Main verlor er 0,22 Prozent auf 12.207,25 Punkte. Es war der niedrigste Stand seit Anfang April. Vom Hoch am 15. Juni hat der Leitindex mittlerweile fast 1.000 Punkte bzw. knapp acht Prozent eingebüßt.

Der europäische Bankensektor war am Mittwoch mit einem Minus von 1,6 Prozent der größte Verlierer. Anteile der Commerzbank verbilligten sich um 2,3 Prozent auf den niedrigsten Kurs seit April 2017. Die Aktien der Deutschen Bank fielen am Mittwoch auf ein Rekordtief. Sie büßten bis zu knapp fünf Prozent ein auf 8,755 Euro. Seit Jahresbeginn haben sie damit mehr als 40 Prozent verloren. Am frühen Nachmittag zog der Wert der Aktie jedoch wieder deutlich an. Zuletzt lag sie nur noch mit 1,9 Prozent im Minus.

Gerade die Deutsche Bank berge große Risiken für Anleger, sagte Andrew Lim von der französischen Bank Société Générale. Sie verliere Marktanteile und sei schwach mit Eigenkapital ausgestattet. Am vergangenen Donnerstag hatte die Ratingagentur Fitch eine Abstufung der Bonitätsnote der Deutschen Bank in Aussicht gestellt. Der Ausblick für das Rating wurde von »stabil« auf »negativ« gesenkt. Das Rating blieb vorerst »BBB plus«. Dreifach-BBB-Einstufungen liegen am unteren Ende des sogenannten Investment Grade, also bei eher risikoärmeren Anlagen. Unter BBB plus kommen noch BBB und BBB minus. Fitch begründete den negativen Ausblick mit den Umsetzungsrisiken, mit denen die Deutsche Bank im Zuge ihrer Restrukturierung konfrontiert sei. Sollte es Deutschlands größtem Geldhaus nicht gelingen, das Geschäftsmodell zu stärken, werde eine Abstufung der Bonitätsnote folgen. Wegen der Risiken durch den Umbau hatte Anfang Juni bereits die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) den Daumen für die Deutsche Bank gesenkt: Die Bonitätswächter hatten das langfristige Emittentenrating um eine Stufe von »A minus« auf »BBB plus« heruntergestuft. Ein schlechteres Rating kann die Finanzierungskosten für Unternehmen erhöhen.

Die Unternehmensberatung Ernst & Young (EY) veröffentlichte zudem am Mittwoch eine Untersuchung, wonach im zweiten Quartal 2018 die Zahl der Börsengänge weltweit gesunken ist. Insgesamt hätten 325 Firmen den Aktienmarkt aufgesucht. Das waren 26 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Das Emissionsvolumen sei global um 19 Prozent auf 45 Milliarden Dollar (38,6 Milliarden Euro) zurückgegangen.

In Deutschland habe es dagegen weitere Zuwächse im zweiten Quartal gegeben. Die Zahl der Börsengänge stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum von vier auf acht. Dabei wurde der für diesen Freitag geplante Börsengang des Batterieherstellers Akasol berücksichtigt. »Bezogen auf die Zahl der Emissionen war das erste Halbjahr das stärkste seit 2007, bezogen auf das Emissionsvolumen sogar das stärkste seit dem Jahr 2000«, erläuterte der EY-Angestellte Martin Steinbach. (dpa/jW)

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