Aus: Ausgabe vom 27.06.2018, Seite 2 / Ausland

Von Gewalt überschattet

Wahlkampf in Mexiko forderte bereits über 100 Todesopfer

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Beerdigung von Opfern in Yurecuaro (Mai 2015)

Am kommenden Sonntag finden in Mexiko Präsidentschafts-, Parlaments-, Regional- und Kommunalwahlen statt. Als Favorit für das höchste Staatsamt geht der Kandidat der Mitte-links-Partei Morena, André Manuel López Obrador, in das Rennen. Umfragen sagen ihm ein Ergebnis um die 50 Prozent voraus.

Der Wahlkampf wird von Gewalt überschattet, mehr als 100 Kandidaten und Politiker sind bereits ermordet. Am Montag wurden ein Politiker der Morena, der 50jährige Emigdio López Avendaño, und seine vier Begleiter erschossen. Wie die Behörden des südlichen Bundesstaates Oaxaca mitteilten, seien sie auf dem Weg zu einer Wahlkampfveranstaltung gewesen, als ihr Wagen angegriffen wurde. López Avendaño hatte für einen Sitz im Stadtrat von Oaxaca kandidiert.

In der Ortschaft Ocampo wurden am Sonntag alle Polizisten der Kleinstadt vorläufig festgenommen. Wie die Sicherheitsbehörde des im Westen Mexikos gelegenen Bundesstaates Michoacán mitteilte, mussten die Beamten ihre Waffen abgeben und wurden befragt, um ihre eventuelle Beteiligung an Taten zu klären, »die geltende Verhaltensregeln verletzen«. Am Donnerstag war in Ocampo der Bürgermeisterkandidat Fernando Angeles erschossen worden. Einen Tag vor Angeles starb Omar Gomez, ein unabhängiger Kandidat für das Bürgermeisteramt in Aguililla, und am 14. Juni wurde in Taretán ein weiterer Kandidat getötet. Auch diese beiden Orte liegen in Michoacán.

Die Tageszeitung La Jornada warnte am Dienstag, dass die eskalierende Gewalt die Wahlen in Mitleidenschaft ziehen könne. Sie wies darauf hin, dass in den Regionen, in der die meisten Verbrechen verzeichnet würden, bereits bei vergangenen Wahlen die Beteiligung am geringsten gewesen sei. Für Misstrauen sorgt zudem die Ankündigung des Nationalen Wahlinstituts INE, Ergebnisse erst im Verlauf des Montags bekanntgeben zu wollen. López Obrador forderte die Behörde auf, Anstrengungen zu unternehmen, damit noch in der Wahlnacht vorläufige Zahlen verfügbar seien. Es sei nicht nachvollziehbar, dass es mit der heute verfügbaren Technik nicht möglich sein solle, die Informationen schneller aufzubereiten, sagte er am Rande einer Kundgebung zum Wahlkampfabschluss am Montag in Acapulco. (AFP/PL/jW)

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