Aus: Ausgabe vom 23.06.2018, Seite 11 / Sport

Gerechtigkeit rules

Gnadenlos: In der Gruppe G werden die Gottesfürchtigen gestraft

Von Jürgen Roth
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Einfach mal Fish ’n’ Chips. Begründung? Nö.

Es ist schon schlechterdings sagenhaft, dass ich Vollpfosten hier ad libitum durch die Walachei skribieren darf, ohne mir einen allerschärfsten Verweis samt satter Gehaltskürzung oder eine bockelharte Strafversetzung zum Focus zu fangen, holla, das nenne ich mal Meinungsfreiheit! O ja, mit Magister Grass zu jauchzen, dich singe ich, Demokratie, und den Schwed’ lobe ich nicht minder, obwohl schwer er bebte contra Kasachstan (Mensch, was für ein Match war das!), wiewohl gewaltig er wankte und schwankte und torkelte und forkelte. Nicht aber fiel noch stürzte schließlich der letzthin gar mächtige, der grausame, der keineswegs furchtsame, der vielmehr durch und durch fürchterliche Schwed’. Er, der rüde Recke, widerstand, er zog die Waffen, er zeigte die Instrumente, er fauchte und grollte und spie Feuer, Schwefel und schwedisches Bier, bis der Kanadier, der ihn, den unbezwingbaren, den entsetzlichen Schwed’, beinah’ bereits volles Rohr ausgeknockt und höhnisch jaulend in und auf die Knie gezwungen und geprügelt und gedroschen hatte – aufgab und verlor. Ja, mit dem wack’ren Schwed’ ist schwerlich und kaum gut Kirschen essen, man treibe keine Spielchen und keine Sperenzchen und keine Mätzchen mit dem grimmen Schwed’, man beachte dies reiflich und schreibe es sich …

Moment. Belgien. Richtig. Gegen Tunesien. Wieso sind denn diese Tunesier immer noch dabei? Warum ist es diesen von alters her von Wüstensand und -wind gestählten (Sandstrahlereffekt) Mannen und saustarken Mimosen gestattet, beim so aktuellen wie unvermeidlichen Championat nach wie vor mitzutun? Nachdem sie mir nicht zugehört und meinen Tip wegen eines gänzlich verantwortungslosen Zahlendrehers in die Grütze geritten haben?

Solch eine Schande, solch ein schuldhaftes Geschluder muss und wird gesühnt werden, da könnt ihr, ihr an der steten Kapitalmehrung allzeit interessierten Leser, drauf wetten. Die Rode Duivels lassen’s krachen, rumpeln und scheppern, die Gottesgläubigen zu strafen gnadenlos – und zwar durch ein 2:0. Vorgesehen hatte ich ein 4:0, allein, weil sich auch der Belgier in der ersten Partie nicht vollends brav und sauber verhielt und nur halb so oft »einnetzte« (Fachfaseldeutsch) wie von mir sattelfestem Auguren prophezeit, werden jetzt eiskalt zwei Treffer gestrichen und erbarmungslos weggenommen (und sei’s durch Fernmanipulation des Videoassistenten). Gerechtigkeit rules, divide et impera! Und sowieso ein Hoch auf die Blödköppe Bommes und Opdenhövel, leck mich am Arsch, sind die bescheuert und unfähig!

Und was mach’ ich – ich habe diesen neuerlich hervorragenden Zeitungsbeitrag ja verabredungs- und ordnungsgemäß übers Zeichenziel zu schieben, sonst kritzelt mir der Redakteur Mergmeueler am Ende einen rechten Galimathias hinein –, was mach’ ich mit den leidigen, kindsköpfigen Three Lions? Zupft deren Harry Potter oder Porter oder Citizen Kane (Mensch, Mensch, Mensch, Roth, zusammenreißen!) zum zweiten Mal an Fortunas Stola und erntet zwei simple goals?

Keineswegs. Lediglich eins. Endstand des Infights mit Panama: 1:1.

Begründung?

Keine.

Wiederseh’n.

Belgien – Tunesien 2:0

England – Panama 1:1

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