Aus: Ausgabe vom 22.06.2018, Seite 8 / Ansichten

Polittwitterin des Tages: Bana Al-Abed

Von Arnold Schölzel
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Die USA kümmern sich um kleine Kinder. Der Atlantic Council, eine in Washington ansässige Aufsicht fürs Wohlverhalten europäischer Vasallen, wird daher am Sonnabend in Berlin seine »Freiheitsauszeichnung« u. a. an die neunjährige Bana Al-Abed aus Syrien und an die frühere US-Außenministerin Madeleine Albright vergeben. Letztere hatte sich in einem TV-Interview 1996 unsterblich gemacht, als sie auf die Frage, ob eine halbe Million toter irakischer Kinder, die den damaligen US-Sanktionen zum Opfer gefallen waren, den Preis wert gewesen seien, wie aus der Pistole geschossen antwortete: »Ja, er war es wert.«

Ähnlich preiswürdig ist Bana. Sie twitterte mit sieben Jahren angeblich selbst seit dem 24. September 2016 Botschaften aus dem von Kopfabschneidern und anderem faschistischen Gesindel besetzten Ostaleppo auf englisch u. a. mit den Hashtags »HolocaustAleppo« und »MassacreInAleppo«. Es waren die Tweets der Propagandasaison: Denn als Verursacher des Massenmordens machte die Kleine nicht die von den USA und der Türkei finanzierten und instruierten Terrormilizen aus, sondern Wladimir Putin und Baschar Al-Assad. Die prominenteste »Followerin« Banas war die Harry-Potter-Erfinderin Joanne K. Rowling, die mit PR-Tamtam ein E-Book ihrer Spuksaga übersandte. Mit von der Partie war das antirussische Internetportal Bellingcat, das noch vor der Befreiung Ostaleppos die reale Existenz von Bana »bewies«. Nach Evakuierung in die Türkei gab es ein Familienfoto mit dem Propheten aller Dschihadisten, Recep Tayyip Erdogan, in Ankara und die türkische Staatsbürgerschaft obendrein.

Banas Twittern hat bis heute kein Ende, gelöscht wurden nur Botschaften wie die vom 3. März 2016: »Besser den dritten Weltkrieg beginnen als Putin und Assad gestatten, #HolocaustAleppo zu begehen.« Der Atlantic Council hilft gern bei der Erfüllung des Wunsches.

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