Aus: Ausgabe vom 19.06.2018, Seite 9 / Kapital & Arbeit

Billig auf den Tisch

Spargelsaison endet. Preise niedrig wie vor zehn Jahren. Arbeitskräfte werden ausgebeutet

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Gierig nach Geld knapsen Spargelbauern Erntehelfern den Lohn ab

Die Spargelsaison endet. Für den Geschäftsführer der Vereinigung der Spargel- und Beerenanbauer, Fred Eickhorst, war es »eine sehr verbraucherfreundliche Saison«, wie er der Deutschen Presseagentur mitteilte. Der bundesweite Durchschnittspreis für ein Kilo weißen deutschen Spargel betrug in der Woche vor Pfingsten 5,48 Euro – das war, bezogen auf eine einzelne Woche, der niedrigste Verbraucherpreis der vergangenen vier Jahre, wie Michael Koch von der Agrarmarkt-Informationsgesellschaft (AMI) in Bonn mitteilte. Nach Pfingsten seien die Preise wieder etwas gestiegen, lägen aber im Mittel noch unter sechs Euro und damit unter dem Vorjahresniveau.

Damit das Gemüse billig auf den Tisch kommen kann, wird auch am Lohn gespart. Ein Sprecher der Gewerkschaft Bauen, Agrar, Umwelt (IG BAU) schilderte am Montag gegenüber jW die Verhältnisse auf den Feldern. Der Branchenmindestlohn für Erntehelfer in Höhe von 9,20 Euro pro Stunde werde häufig unterlaufen. Manche Unternehmen drückten den Arbeitslohn auf bis zu fünf Euro pro Stunde. Materialkosten würden illegalerweise mit dem Gehalt verrechnet oder Löhne gekürzt, wenn die Ernte beschädigt werde. Dies geschehe »in mehr als nur vereinzelten Fällen«, sagte der Sprecher der Gewerkschaft. Das habe auch Auswirkungen auf die Unternehmen. Die Erntehelfer, die zum Großteil aus Osteuropa anreisen, tauschten sich untereinander aus. Die schwarzen Schafe der Branche seien bekannt. Manchem Spargelbauer fehle es an Arbeitskräften. Die Arbeiter zögen einfach weiter, so der Sprecher der IG BAU. Denn selbst 9,20 Euro pro Stunde seien nicht die Spitze der Mindestlöhne in Europa.

Die geerntete Menge wird nach Schätzung der »Bundesvereinigung der Erzeugerorganisationen Obst und Gemüse« mindestens auf Vorjahresniveau liegen: 2017 wurde die Rekordmenge von rund 127.800 Tonnen in den deutschen Anbaugebieten von den Feldern geholt.

Das warme Wetter habe dazu geführt, dass viel Spargel gleichzeitig auf den Markt kam und daher die Preise sehr günstig waren, äußerte sich Wolfgang Ehrecke von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Die Preise lägen auf dem Niveau von vor zehn Jahren, sagte der Vorsitzende des Vereins Beelitzer Spargel in Brandenburg, Jürgen Jakobs. Viele Landwirte überlegten, Flächen stillzulegen. »Das war eine ganz extreme Situation«, hieß es auch von Peter Strobl, Geschäftsführer des Spargelerzeugerverbands Südbayern. Teilweise seien Felder nicht mehr gestochen worden, weil es keine Abnehmer gab. »So eine Situation habe ich seit 30 Jahren nicht erlebt.«

Kurz vor dem offiziellen Ende der Saison am 24. Juni sind die Preise wieder ein wenig gestiegen. Allerdings ist die Nachfrage auch nicht mehr so groß. Auf vielen Anbauflächen sei die Ernte schon beendet worden, sagte Michael Koch von der AMI. (dpa/jW)

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