Aus: Ausgabe vom 19.06.2018, Seite 8 / Ansichten

Krisendiplomat des Tages: Boris Becker

Von Simon Zeise
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Insolvenzverfahren? Gegen mich? Für den Künstler eine »Farce«

Mit Hechtsprüngen auf dem Centre Court verführte Boris Becker bis Ende der 90er Tennisliebhaber. »Bumm-Bumm-Boris« besiegte sie alle. Einer, der aufs Risiko setzte. Der erste Aufschlag wurde Richtung Gegner geballert. Wenn der nicht saß, preschte er ans Netz vor und warf sich in den Return. Eine Strategie fürs Leben: Nach seiner fulminanten Tenniskarriere frönte er dem Pokerspiel. Auch hier gilt: Allein Asse zählen. Wenn die mal nicht zur Hand sind, schmeiß’ alles in die Waagschale. Gesagt, getan: Derzeit läuft ein Insolvenzverfahren gegen das frühere Tennisgenie.

Doch nicht mit unserem »Bobbelsche«. Der ist zu Höherem geboren. Als Sonderattaché für Kultur- und Sportfragen für die Europäische Union heuerte er kurzerhand bei der Zentralafrikanischen Republik an. Becker könne ohne die Zustimmung des Landes keinem rechtlichen Verfahren unterworfen werden, hatten seine Anwälte am Freitag erklärt: Diplomat im Dienst.

In einer Stellungnahme hatte die geläuterte Legende den Schritt begründet. Er sei Opfer einer »Farce« geworden. Ein »Haufen anonymer und unverantwortlicher Banker und Bürokraten« habe ihm ein »vollkommen unnötiges« Insolvenzverfahren aufgezwungen.

Sollte dem in die Jahre gekommenen Wunderkind doch noch Gerechtigkeit widerfahren? Sieht nicht so aus. Denn am Montag gab der Außenminister des Landes, Charles Armel Doubane, in der Welt bekannt, Becker sei kein offizieller Vertreter des Landes. Dann ging es schnell zur Sache, wie einst auf dem Tennisplatz.

Noch am Montag wurde eine Anhörung am High Court in London angesetzt. Ob Becker zu dem am Freitag angekündigten Gegenschlag ausholte: »Ich werde diejenigen verfolgen, die diesen Prozess erzwungen haben und sie öffentlich verantwortlich machen für ihre Taten«, konnte bis jW-Redaktionsschluss nicht in Erfahrung gebracht werden.

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