Aus: Ausgabe vom 19.06.2018, Seite 5 / Inland

Stadler in Haft

Staatsanwaltschaft München sieht beim Audi-Chef Verdunkelungsgefahr

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Er hat es geahnt: Rupert Stadler bei einer Bilanzpressekonferenz im März 2016

Zum ersten Mal ist ein amtierender Konzernlenker der Autobranche wegen des Dieselskandals festgenommen worden: Rupert Stadler, Vorstandschef der VW-Tochter Audi, sitzt seit Montag in U-Haft, wie die Staatsanwaltschaft München II mitteilte. Es bestehe »Verdunkelungsgefahr«. Stadler wird unter anderem Betrug im Zusammenhang mit dem Verkauf von Dieselfahrzeugen mit Software zur Manipulierung der Abgasreinigung vorgeworfen.

Unter Verdunkelung verstehen Juristen das Vernichten von Beweisen sowie die Beeinflussung von Zeugen. Erst vor einer Woche hatten Staatsanwälte Stadlers Wohnung durchsucht. Ein Audi-Sprecher bestätigte die Festnahme, betonte aber, dass weiterhin die Unschuldsvermutung gelte. Stadler wird seit Ende Mai als Beschuldigter in den Ermittlungen gegen Audi geführt. Insgesamt richten sich die Ermittlungen der Münchner Staatsanwälte derzeit gegen 20 Beschuldigte – darunter ist auch ein weiteres aktives Vorstandsmitglied von Audi. Sie sollen bewusst Hunderttausende Dieselfahrzeuge mit manipulierter Abgasreinigung auf dem europäischen Markt verkauft haben. Die Ermittler werfen den Verantwortlichen neben Betrug auch »mittelbare Falschbeurkundung« von Dieselautos vor.

Wegen des Dieselskandals sitzen bereits seit vergangenem Jahr ein ehemaliger Audi-Manager sowie der ehemalige Porsche-Motorenchef in Untersuchungshaft. In den USA gibt es zudem einen Haftbefehl gegen Ex-Volkswagenchef Martin Winterkorn. Solange er die Bundesrepublik nicht verlässt, dürfte er aber vor einer Auslieferung sicher sein. Allerdings ermittelt unter anderem die Staatsanwaltschaft Stuttgart wegen des Verdachts der Marktmanipulation gegen Winterkorn. Ebenfalls ein Verfahren wegen Marktmanipulation gibt es in Braunschweig gegen Winterkorn, den amtierenden VW-Chef Herbert Diess, den Aufsichtsratsvorsitzenden Hans Dieter Pötsch sowie den Diess-Vorgänger Matthias Müller. (AFP/jW)

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