Aus: Ausgabe vom 16.06.2018, Seite 1 / Ausland

Washington eskaliert Handelskonflikt

USA verhängen Zusatzzölle auf chinesische Waren. Beijing zieht nach und spricht von Handelskrieg

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Geht es nach Trump, dann ist das in Zukunft ein eher seltener Anblick in US-Häfen: Frachtcontainer einer chinesischen Reederei

Die Vereinigten Staaten verhängen Strafzölle von 25 Prozent auf über 1.100 chinesische Waren und Produktgruppen. Darunter sind auch Industrie- und Hochtechnologiegüter. Das Zollvolumen beläuft sich auf 50 Milliarden Dollar. Das gab US-Präsident Donald Trump am Freitag bekannt. Ihm sei die »Freundschaft« zu Präsident Xi Jinping und das Verhältnis zu China sehr wichtig, erklärte Trump. Dennoch sei die Situation nicht länger hinzunehmen. Aus der Mitteilung des Weißen Hauses geht nicht hervor, wann die Zölle tatsächlich wirksam werden.

Chinesische Gegenmaßnahmen folgten unmittelbar danach: Beijing hat seinerseits Vergeltungszölle auf US-amerikanische Waren im Wert von ebenfalls 50 Milliarden Dollar angekündigt. Wie das chinesische Handelsministerium am Freitag mitteilte, werde China auf alle US-Maßnahmen mit Zolltarifen in gleicher Höhe antworten. China wolle keinen Handelskrieg führen: »Angesichts des kurzsichtigen Verhaltens der USA, durch das andere und sie selbst verletzt werden, muss China jedoch stark und entschlossen die Interessen von Land und Volk verteidigen«, hieß es in der Mitteilung des Handelsministeriums. Alle wirtschaftlichen und handelspolitischen Vereinbarungen, die zuvor in Verhandlungen zum Handelsstreit getroffen worden seien, seien nun ungültig. China und die USA hatten mehrere Konsultationen zu Wirtschafts- und Handelsfragen geführt, um Differenzen zu lösen. Beijing bedauere zutiefst, dass Washington die zuvor getroffene Vereinbarung gebrochen habe und »einen Handelskrieg provoziert hat«. Der Schritt schädige »nicht nur bilaterale Interessen, sondern untergrabe auch die Welthandelsordnung«.

Noch am Donnerstag hatte China das Weiße Haus deutlich vor Strafzöllen gewarnt. Beijing hatte klargemacht, dass man keine Angst vor einem Handelskrieg habe und mit Strafen im gleichen Umfang reagieren wolle. Trump erklärte am Freitag, eine etwaige Reaktion Chinas mit eigenen Zöllen würden die USA mit neuen Zöllen beantworten. (dpa/Reuters/jW)

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