Aus: Ausgabe vom 15.06.2018, Seite 8 / Ansichten

Angsthase des Tages: Hans-Joachim Seppelt

Von Kristian Stemmler
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Erst wollte er und durfte nicht, jetzt darf er und will nicht: Hans-Joachim Seppelt

Man könnte Hans-Joachim »Hajo« Seppelt mal fragen, ob er was Falsches eingenommen hat – aber das wäre schon sehr sarkastisch. Jedenfalls scheint der zum »Dopingjäger« hochgejazzte ARD-Fernsehjournalist unter Halluzinationen zu leiden. Wie Medien am Donnerstag verkündeten, traut der Mann sich nicht zur Fußball-WM nach Russland.

In Putins Reich droht der propagandistischen Speerspitze des Westens Ungemach. Man will ihn vernehmen, unerhört! Am 11. Mai hatte Russland dem dort eigentlich unerwünschten Reporter noch ein Visum verweigert, später doch eines ausgestellt. Das ist aber mit der Ansage verbunden, er müsse, wenn er »das Gebiet der Russischen Föderation« betrete, mit einer Befragung rechnen.

Das darf nicht sein. Nachrichtendienste und Kriminalämter zauberten flugs »Gefährdungsanalysen« aus dem Hut, ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky barmte: »Die Sicherheit von Hajo Seppelt steht bei uns an erster Stelle.« Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) lud gar die Beteiligten zum Gespräch. Danach hieß es, ein Russland-Abstecher Seppelts sei ein »unberechenbares Risiko«.

Das allerdings ist wahr. Der Reporter riskiert, dass seine steile These vom russischen Staatsdoping in sich zusammenfällt. Er müsste sich wohl einlassen zum Fall Grigori Rodtschenkow, dem Kronzeugen für die These. Dummerweise ist der Mann, wie RT Deutsch am 17. Mai berichtete, in die USA geflüchtet und hat frühere Aussagen widerrufen. Außerdem wurde ihm bereits 2011 eine »schizotypische Persönlichkeitsstörung« diagnostiziert, so der Sender.

Unangenehme Sache das. Aber Berlin wusste Rat: Man prangert Russland einfach mal wieder wegen fehlender Pressefreiheit an. Mitmachen dürfen die üblichen Verdächtigen, von den Grünen bis zu »Reportern ohne Grenzen«. Die können das auch ungedopt.

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