Aus: Ausgabe vom 11.06.2018, Seite 9 / Kapital & Arbeit

Handelskette Real droht Ungemach

»Aktion Arbeitsunrecht« ruft für »Schwarzen Freitag« am 13. Juli zu Aktionen auf

Von Elmar Wiegand
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Am 13. Juli ist ein »schwarzer Freitag« für Real angekündigt

Leiharbeit, Lohndumping, Tarifflucht. Der Horror beim Einzelhandelsriesen Real ist tatsächlich real, so das Bündnis »Aktion Arbeitsunrecht«. Zum nächsten »Schwarzen Freitag«, einer Aktionsform des Bündnisses, soll am 13. Juli deshalb bundesweit vor Supermärkten der Kette darauf aufmerksam gemacht werden.

Hintergrund: Der Aktienkurs der Metro AG, zu der die 280 Filialen und die 34.000 Beschäftigten der Kette als Tochtergesellschaft gehören, war im April nach »Gewinnwarnungen« um elf Prozent eingebrochen. Der Analyst Bruno Monteyne machte das schwächelnde Russland-Geschäft und erhebliche Konflikte mit Verdi als Probleme aus. Während die »Cash and Carry«-Märkte der Metro während der WM ihren Umsatz auch in der Russischen Föderation zumindest kurzfristig steigern dürften, droht das Markenimage in Deutschland weiter Schaden zu nehmen.

»Wir wollen den Ruf von Real bei lohnabhängigen Kunden geraderücken«, erklärte Kampaignerin Jessica Reisner. »Die Metro AG beutet nicht nur ihre Beschäftigten aus und verarscht sie nach Strich und Faden. Sie zeigt auch der Bundesregierung und dem Gemeinwesen eine lange Nase, indem sie das Equal-Pay-Gebot in der Leiharbeit schamlos unterläuft.«

Das Metro-Management will noch im Juni 2018 alle Real-Beschäftigten in eine konzerneigene Tochter Metro Services GmbH überführen und dabei Löhne senken und Arbeitszeiten verlängern. Ziel ist eine faktische Lohnsenkung um 30 bis 40 Prozent – ein Frontalangriff, der die Konkurrenz zur Nachahmung animieren dürfte. Einen sogenannten Zukunftstarifvertrag, den die Gewerkschaft Verdi nach Streiks 2015 zähneknirschend unterschrieben hatte, kündigte das Management im März. Real wechselte zum Unternehmerverband »Arbeitsbedingungen im Handel und Dienstleistungsgewerbe« (AHD), der 1987 vom Metro-Vorläufer Asco gegründet worden war. AHD schließt Dumpingtarifverträge mit der gelben »Gewerkschaft« DHV ab.

Real setzt verstärkt auf Werkverträge und Leiharbeit, auch in Kernbereichen wie den Kassen. Die Equal-Pay-Regelungen (Gleicher Lohn für gleiche Arbeit), die die SPD mit ihrer Arbeitsministerin Andrea Nahles im April 2017 im Arbeitnehmer-Überlassungsgesetz verankern konnte, unterläuft Real mit einem simplen Trick. Der gleiche Lohn für Leiharbeiter gilt laut AÜG nach neun Monaten Einsatz am selben Ort – Real entlässt nach acht Monaten. Die Mumme GmbH, deren Personal zu 98 Prozent bei Real arbeitet, stellt fortan nur noch befristet für acht Monate ein. So einfach soll das gehen.

»Freitag der 13.« hat sich seit März 2015 als Tag des Widerstandes gegen Union Buster und Fertigmacher etabliert und bereits einigen derartigen Unternehmen durch die Kampa­gne öffentliche Aufmerksamkeit beschert.

Unser Autor ist verantwortlicher Redakteur des Blogs arbeitsunrecht.de und Gründungsmitglied des Vereins Aktion gegen Arbeitsunrecht – Initiative für Demokratie in Wirtschaft und Betrieb

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