Aus: Ausgabe vom 22.05.2018, Seite 3 / Schwerpunkt

»Hier wird eine Menge Mehrwert geschaffen«

US-Investoren setzen auf steigende Immobilienpreise, im Sinne der Wirtschaftsförderung Berlins. Ein Gespräch mit Christian Herzog

Von Simon Zeise
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Luxus-Hochhaus »Living Levels« in Berlin (29. April 2015)

Warren Buffetts Immobilienkonzern »Berkshire Hathaway Home­services« hat sich mit »Rubina Real Estate« einen Berliner Ableger zugelegt. Was erwarten Sie sich von dem neuen Unternehmen?

Es ist ein richtiger Ritterschlag für Rubina, so eine Kooperation einzugehen. Berkshire macht die erste Kooperation im Ausland. Und dann ausgerechnet Berlin. Das stärkt uns als Berlin-Promoter. Es hätte ja auch London sein können. Dass sich Berkshire für Berlin entschieden hat, zeigt, dass Michael Brehm den richtigen Riecher gehabt hat, dieses Startup aufzubauen. Er hat auch in der Vergangenheit schon sehr erfolgreich in viele Geschäfte investiert. Rubina beweist einmal mehr, dass wir unheimlich tolle Investoren haben, die nach erfolgreichen Geschäften wieder reinvestieren – auch in Berlin. Rubina kann durch die Kooperation mit dem Unternehmen auf dem US-amerikanischen Markt viel besser als Botschafter auftreten; für die Stadt Berlin, hier mehr zu investieren. Damit Berlin auch, sag ich mal, in Deutschland ausstrahlt.

Was springt denn für den gemeinen Berliner dabei heraus?

Es werden Arbeitsplätze geschaffen. Ganz klar. Sozialversicherungspflichtige und gutbezahlte Arbeitsplätze. Wir fokussieren auf Ansiedlung, auf Expansion, auf Kooperation. Eins muss auch immer richtig sein: Es dürfen keine prekären Arbeitsplätze sein. Sie müssen in die Zukunft gerichtet sein. Rubina gibt es jetzt seit sechs Jahren. Sie haben gezeigt, dass sie nachhaltig am Markt sein können. Wir erhoffen uns weiteres Wachstum. Ausgehend vom Headquarter am Standort Berlin, der in die Welt ausstrahlt.

Berkshire Hathaway will Wohlhabende nach Berlin locken, die hohe Preise für Wohnungen bezahlen können. Glauben Sie nicht, dass das negative Auswirkungen haben wird, weil dadurch die Mieten in der Stadt steigen werden?

Bei dieser Frage würde ich mich gerne rausziehen. Weil wir bei »Berlin Partner« nicht politisch unterwegs sind, sondern eher wirtschaftlich denken. Alles was wir momentan sehen, ist, dass es ein starkes Wirtschaftswachstum gibt. Natürlich steigen die Mieten, aufgrund des Erfolges Berlins. Hier zahlt man glücklicherweise immer noch weniger als es in Hamburg, München oder Frankfurt der Fall ist. Ob es jetzt das Ziel ist, Profit zu maximieren? Da würde ich mich einfach ein Stück weit raushalten. Ich bitte um Verständnis dafür, dazu nicht viel sagen zu können. Denn das ist ein Geschäftsmodell, das sich am Markt behaupten muss – oder auch nicht. Ich glaube einfach, hier wird eine Menge Mehrwert geschaffen. Was am Ende für die ganze Stadt gut ist.Interview: Simon Zeise

Christian Herzog ist Abteilungsleiter für dgitale Wirtschaft und Startups bei »Berlin Partner«, einer GmbH in öffentlich-privater Partnerschaft, zur Förderung der Wirtschaft und zur Ansiedlung von Investoren. Der Berliner Senat und mehr als 200 Unternehmen sind an »Berlin Partner« beteiligt.


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  • Beitrag von Sabine B. aus . (22. Mai 2018 um 10:45 Uhr)

    Herr Herzog glaubt doch nicht wirklich, dass Investitionen im Mietwohnungsmarkt unpolitisch sind. Außerdem hätte ich gern von ihm gewusst, inwiefern Spekulationen mit Immobilien Mehrwert "erschaffen", der -noch dazu- der ganzen Stadt zugute kommt. Seine Begeisterung für erfolgreiche Geschäfte dieser Art zeigt wieder einmal, wie schmalspurig Kapitalisten denken. Noch dazu solche, die die Umverteilung -auch über ÖPP- von unten nach oben beschleunigen.

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    Simon Zeise