Aus: Ausgabe vom 17.05.2018, Seite 16 / Sport

RB braucht keine Seele

Von Rouven Ahl
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»So etwas wie die Seele des Plastikklubs«: Dominik Kaiser bei seinem Abschiedsspiel am Sonntag

Leipzig. Im August 2016 bestritt RB Leipzig sein erstes Bundesligaspiel. Es ging gegen die TSG 1899 Hoffenheim. Das Duell war als »El Plastico« verschrien – ohne die Millionen der Herren Mateschitz und Hopp wären die beiden Vereine niemals in die oberste Spielklasse aufgestiegen.

In der 58. Minute der Partie erzielte Dominik Kaiser das erste Bundesligator der Sachsen. Er war zu diesem Zeitpunkt bereits deren dienstältester Spieler. Seit 2012 trug er das RB-Trikot. Gekommen war er von der TSG Hoffenheim. In der Sommerpause wird der 29jährige Mittelfeldspieler RB nun verlassen. Wohin, ist unklar. Am Sonntag bekam er sein Abschiedsspiel in der »Red Bull Arena«, dem früheren Zentralstadion (Foto).

RB ist das Feindbild aller traditionsbewussten Fußballfans. Ein Klub vom Reißbrett, ausschließlich gegründet, um ein schlimmes Produkt zu bewerben. Von der Kritik an diesem künstlichen Gebilde wurde der bei Stuttgart geborene Kaiser oft ausgenommen. Während die Spieler um ihn herum in den Jahren des Aufstiegs aus der Regionalliga nach Belieben ausgetauscht wurden, erkämpfte er sich wieder und wieder seinen Platz im Kader, wurde so etwas wie die Seele des Plastikklubs.

In dieser Saison kam Kaiser nur naoch auf zehn Einsätze, stand ein einziges Mal in der Startformation. Angeblich soll er schon in der Winterpause vor einem Wechsel gestanden haben. Das Gefühl, im Oberhaus nicht mehr mithalten zu können, hat er nicht, wie er dem Kicker erklärte: »Ich glaube schon, dass ich in einer Bundesliga–Mannschaft eine Rolle spielen kann.« Nur meint RB eben, auf diese größte Identifikationsfigur in seinen Reihen gut verzichten zu können.

Beim Brauseklub ist jeder ersetzbar, außer dem Sponsor und vielleicht noch dem Sportdirektor Ralf Rangnick. Der meinte am Sonntag, es habe »nie irgendeinen Zweifel« an Coach Ralph Hasenhüttl gegeben. Am Mittwoch wurde die Trennung vom gesamten Trainerteam bekanntgegeben.


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