Aus: Ausgabe vom 15.05.2018, Seite 15 / Betrieb & Gewerkschaft

Damit sozialer Friede herrsche

Schlichtung im Baugewerbe endet mit sehr langer Laufzeit des Tarifvertrages

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Dürfen sich über höhere Löhne freuen: Die 800.000 Beschäftigten des Bauhauptgewerbes

Es scheint sich ein Trend abzuzeichnen. Nachdem im April bereits im öffentlichen Dienst ein Tarifvertrag mit einer sehr langen Laufzeit von 30 Monaten abgeschlossen worden war, hat sich nun auch die Industriegewerkschaft Bauen, Agrar, Umwelt (IG BAU) zu einem ähnlich langfristig angelegten Abschluss hinreißen lassen. 26 Monate lang soll der soziale Friede damit auf dem Bau gewährleistet sein. Die Unternehmer wird es freuen, es kann in den nächsten Jahren »durchgebaut« werden. Laut IG-BAU-Vize Dietmar Schäfers der »beste Tarifabschluss in Deutschland in diesem Jahr«. Die Gewerkschaft hatte ursprünglich eine Laufzeit von zwölf Monaten gefordert.

Unter Verzicht auf Warnstreiks war die IG BAU direkt in die Schlichtung unter dem Vorsitz des ehemaligen Wirtschafts- und Arbeitsministers Wolfgang Clement gegangen. Während einer solchen gilt die Friedenspflicht. Nach 19-stündigen Verhandlungen einigten sich die Gewerkschaft und die Unternehmerverbände Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) sowie Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) in der zweiten Schlichtungsrunde am frühen Samstagmorgen. Die zuständigen Gremien müssen dem Tarifvertrag nun bis zum 26. Mai zustimmen.

Konkret verständigte man sich für die rund 800.000 Beschäftigten des Bauhauptgewerbes auf Lohnerhöhungen und ein 13. Monatsgehalt. So sollen dem Schlichterspruch zufolge die Beschäftigten im Westen rückwirkend zum 1. Mai 5,7 Prozent mehr Geld bekommen. Die Löhne im Osten sollen ebenfalls rückwirkend zu diesem Datum um 6,6 Prozent und zum 1. Mai 2019 um weitere 0,8 Prozent angehoben werden. Die IG BAU hatte eine Erhöhung um sechs Prozent gefordert.

Zusätzlich wurden für die Beschäftigten im Westen drei Einmalzahlungen in Höhe von insgesamt 1.100 Euro vereinbart. Die Bauarbeiter im Osten sollen hingegen lediglich einen entsprechenden Betrag von 250 Euro erhalten – im November 2019. Das bisher uneinheitlich oder gar nicht gezahlte Weihnachtsgeld soll nun in allen Bundesländern eingeführt und stufenweise bis 2022 immer weiter angehoben werden. Für Unterbringung und Fahrtkosten beim Besuch von weit entfernten Berufsschulen bekommen Auszubildende einen monatlichen Pauschalbetrag von 60 Euro. Das strittige Thema eines Wegegeldes für Fahrten zu den Baustellen wurde in der Schlichtung hingegen nicht geklärt. Es soll nach Übereinkunft beider Seiten später bei einer Überarbeitung des Bundesrahmentarifvertrages diskutiert werden. (jW)


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