Aus: Ausgabe vom 15.05.2018, Seite 6 / Ausland

Karawane zu den Kindern

Zum vierten Mal brachte die italienische Punk-Gruppe Banda Bassotti Spenden in den Donbass

Von Guillermo Quintero
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Die antifaschistische Karawane am Tag des Sieges, 9. Mai, in Lugansk

Am Wochenende ist die vierte antifaschistische Karawane aus dem Donbass zurückgekehrt. Erstmalig 2014 hatte die italienische Ska-Punk-Gruppe Banda Bassotti eine solche Reise in den Osten der Ukraine organisiert, um den Kindern in den von Kiew bombardierten und angegriffenen Gebieten Spielzeug und Schulmaterialien zu bringen. Mit Konzerten in den »Volksrepubliken« demonstrierte sie ihre Solidarität mit der Bewegung, die als Reaktion auf den von extrem rechten Kräften in Kiew verübten Staatsstreich entstanden war. Auch in diesem Jahr gehörten Musiker der Gruppe zu der Delegation und besuchten gemeinsam mit Mitgliedern von Gewerkschaften, Basisinitiativen, Antifagruppen und linken Parteien aus rund einem Dutzend Ländern zwei Waisenhäuser in Lugansk und Donezk, für die sie zahlreiche Hilfsgüter dabei hatten.

2017 hatten die Kiewer Behörden noch versucht, die Karawane zu verhindern, indem sie den Organisatoren »Terrorismus« vorwarfen und von den Instanzen der Europäischen Union verlangten, die Mitglieder der Reisegruppe festzunehmen und an die Ukraine auszuliefern. Sie stützten sich dabei auf ein 2015 erlassenes Gesetz, das kommunistische und sowjetische Symbole verbietet sowie das »öffentliche Beleidigen« von Kriegsverbrechern und Nazikollaborateuren wie Stepan Bandera unter Strafe stellt. Bei der EU stieß Kiew mit diesem Vorstoß allerdings auf wenig Gegenliebe, so dass man in diesem Jahr lieber versuchte, die Karawane zu ignorieren und totzuschweigen.

Das Hauptziel der jährlichen Reisen ist jedoch, das Schweigen in Europa über die Vorgänge im Donbass zu durchbrechen. Banda Bassotti und ihre Unterstützer wollen die europäische Öffentlichkeit daran erinnern, dass in den beiden »Volksrepubliken« nach wie vor Krieg herrscht, dass Tag für Tag Milizionäre und Zivilisten sterben, auch Kinder und alte Menschen.

Der Krieg in der Ukraine ist ein Teil der von den USA geführten Offensive, um Washingtons politische und wirtschaftliche Hegemonie auf der Welt wiederherzustellen. Dazu setzt die Administration von Donald Trump wie vor ihm die von Barack Obama nicht mehr vorrangig auf direkte militärische Interventionen – wenn diese auch nicht ausgeschlossen werden –, sondern bevorzugt auf den Einsatz von Massenmedien, »Nichtregierungsorganisationen«, Gruppen der extremen Rechten und gekauften oder ihnen politisch nahestehenden Regierungsbeamten. Ausgehend von Protesten für »mehr Demokratie« oder »gegen Korruption« werden die Bedingungen für Staatsstreiche der neuen Generation geschaffen – wie bei den Rebellionen des »arabischen Frühlings«, die Unruhen in Venezuela, die »weichen Putsche« in Honduras und Brasilien oder eben der »Euromaidan« 2013/2014 in Kiew. Ein Gegner im Propagandakrieg ist Moskau, weshalb die Gegner des neofaschistischen Staatsstreichs in Kiew umgehend als »prorussisch« beschimpft und Medien, die sich der vorgegebenen Sprachregelung verweigerten, zum Ziel von Zensurversuchen und Ausgrenzung wurden.


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