Aus: Ausgabe vom 15.05.2018, Seite 1 / Inland

Dämpfer für Hoffmann

Im Amt bestätigter DGB-Chef fordert Erhöhung der Tarifbindung und Aufbruch in der Sozialpolitik

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Hat sich nach Ansicht linker Gewerkschafter zu deutlich für den Koalitionsvertrag ausgesprochen: Reiner Hoffmann bei seiner Grundsatzrede am Montag

Der 21. Bundeskongress des Deutschen Gewerkschaftsbundes hat den bisherigen Bundesvorsitzenden Reiner Hoffmann am Montag in Berlin für eine weitere vierjährige Amtszeit gewählt. Der 62-Jährige erhielt allerdings nur 289 Delegiertenstimmen (76,3 Prozent) und fuhr damit das schlechteste Ergebnis der vier gewählten Mitglieder des geschäftsführenden Bundesvorstandes ein. 90 Delegierte stimmten gegen Hoffmann, sieben enthielten sich. Das ist eine deutliche Verschlechterung gegenüber 2014, als Hoffmann mit 93,1 Prozent der Stimmen erstmals gewählt wurde. Hauptursache für den Stimmenrückgang dürfte Hoffmanns erst wenige Monate zurückliegendes Engagement für die Zustimmung der SPD zum Koalitionsvertrag mit den Unionsparteien sein. Im Vorfeld des Bundeskongresses und während der Aussprache am Sonntag gab es dazu mehrere kritische Kommentare. Der DGB-Chef, der ansonsten eher nicht durch politische Wortmeldungen auffällt, hatte vor dem »Chaos« bei einem Scheitern der Regierungsbildung gewarnt und im Koalitionsvertrag »Kracher« entdeckt.

In seiner Grundsatzrede rief Hoffmann die Mitgliedsgewerkschaften des DGB auf, die Umbrüche in Wirtschaft und Gesellschaft zu gestalten. Der technologische Wandel in der Arbeitswelt berge Chancen und Risiken zugleich: »Wohin die Reise geht, entscheiden immer noch wir.« Keiner habe mehr Erfahrung darin, den Strukturwandel zum Wohle der Menschen zu gestalten, als die Gewerkschaften. Es gelte nun, den »digitalen Kapitalismus« zu zivilisieren. Hoffmann forderte die Bundesregierung auf, das »digitale Tagelöhnertum« zu beenden. Derzeit bekomme nur noch die Hälfte der Erwerbstätigen Tariflöhne. Ziel müsse sein, die Tarifbindung der Unternehmen zu erhöhen: »Gute Arbeit für alle heißt für uns Tarifbindung für alle.« Der DGB-Chef forderte einen »Aufbruch« in der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik. In einem von den Delegierten beschlossenen Initiativantrag wird diese Linie präzisiert. Die Tarifbindung müsse gestärkt und prekäre Beschäftigung eingedämmt, die Mitbestimmung ausgebaut werden. Das Papier fordert zudem verbriefte Rechtsansprüche auf stärker selbstbestimmtes Arbeiten. (dpa/AFP/jW)


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