Aus: Ausgabe vom 09.05.2018, Seite 8 / Ansichten

Zombie-Apokalypse des Tages: Oliver North

Von Sebastian Carlens
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Die Gräber öffnen sich und die Toten stehen auf«, heißt es in der Bibel (­Matthäus 27). Doch man muss nicht zurück zum Osterwunder, um eine echte Zombie-Apokalypse zu erleben. In den Vereinigten Staaten spielt sich dergleichen quasi in Echtzeit ab. Unter Donald Trump kommen die politischen Leichen des Kalten Krieges aus der Modergruft.

Diesem Grabe entstiegen scheint auch Oliver North. Nun ist der Mann, der in den 80er Jahren im Mittelpunkt der »Iran-Contra«-Affäre stand, wieder da – reinkarniert als Chef der Waffenlobby NRA, die ihrem US-Präsidenten gerade ewige Treue schwor. Das passt, hat North doch an einer CIA-Operation teilgenommen, die einerseits Kriegsgerät an den (offiziell mit den USA verfeindeten) Iran verhökerte, um andererseits mit diesem Geld (und organisiertem Drogenschmuggel) die »Contra-Rebellen« gegen die sandinistische Regierung Nicaraguas auszurüsten. Der kennt sich aus.

Man könnte annehmen, dass North ein erbitterter Gegner der USA ist – immerhin hat er Erzfeinde bewaffnet, die Drogenkrise der 80er Jahre befördert und wurde wegen seiner Handlungen als Sicherheitsberater Ronald Reagans angeklagt. Die Sache verlief im Sande, wegen »Formfehlern«. Und natürlich ist North kein Gegner seines Landes. Er ist sein Agent.

Die Staatsräson erfordert es, Feinde seiner Feinde zu bewaffnen, Teile der Bevölkerung in die Drogenabhängigkeit abrutschen zu lassen, mafiose Netzwerke zu finanzieren, das eigene Land mit Feuerwaffen zu überschwemmen. Die Räson erfordert es auch, die eigene Hegemonie zu verteidigen; koste es, was es wolle. Um den Iran geht es auch heute wieder, und wieder ist nicht klar, wer mit wem zockt. Israel mit den USA? Die USA mit den Saudis? Alle gegen alle?

Für gewöhnlich folgt auf die Tragödie die Farce. In diesem Fall ist es andersherum. Reagan war die Farce. Die Tragödie heißt Trump.


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