Aus: Ausgabe vom 07.05.2018, Seite 6 / Ausland

Die Black Panther

Die Geschichte der Black Panther Party ist weitgehend unentdeckt. Aaron Dixons politische Autobiographie will das ändern

Erinnern wir uns, wie die Ortsgruppe Seattle der Black Panther Party (BPP) entstand, erkennen wir auch den revolutionären Geist, aus dem heraus das geschah. Und die besonderen Menschen kommen uns in den Sinn, die von diesem Geist beseelt waren, aber heute nicht mehr unter uns sind: Huey P. Newton, Eldridge Cleaver, Geronimo »ji Jaga« Pratt, Michael »Cetewayo« Tabor, Zayd Malik Shakur, Reggie Schell und auch die erst jüngst verstorbene Kiilu Nyasha, geboren als Pat Gallyot, die der Partei in New Haven zur Zeit des Prozesses gegen Bobby Seale und Eri­cka Huggins 1970 beitrat.

Stolz und mit Sehnsucht blicken wir zurück auf Tausende Jugendliche, die sich der Partei anschlossen und für ein besseres Leben und Befreiung kämpften. Als ich Aaron Dixons bemerkenswerte politische Autobiographie »My People are Rising. Memoir of a Black Panther Party Captain« las, fühlte ich mich in die wundervollen Jahre dieser revolutionären Zeit zurückversetzt, als junge Schwarze sich in Bewegung setzten und die ganze Nation mit sich rissen.

Die Panthers prägten ihre Generation. Beim Lesen der Zeitzeugnisse einiger Parteimitglieder wurde mir klar, wie sich die einzelnen Ortsgruppen doch ähnelten, wie unterschiedlich sie aber auch waren. Die Gruppe in Seattle hatte Mitglieder japanischer und philippinischer Herkunft. Soweit ich weiß, haben weder Philly noch Harlem noch Chicago ähnliche Leute angezogen.

Aber egal wo sich die Menschen der Partei anschlossen, ob in New Orleans, New Jersey oder anderswo, wer von ihnen hätte auf diese Erfahrung verzichtet, hätte nicht »dem Volke gedient« und diese revolutionäre Organisation aufgebaut? Den jungen Menschen muss es heute doch den Atem verschlagen zu erfahren, wie aktiv ihre Väter, Mütter, Tanten und Onkel in den 1960er und 1970er Jahren waren! Die Geschichte der BPP ist bislang weitgehend unentdeckt. Zu wenig wurde von ihren Mitgliedern weitergegeben.

Das Verdienst von Aaron Dixon ist, das geändert zu haben. Er war dabei, als die schwarze Jugendbewegung mit ihrem Widerstand Geschichte schrieb. Nicht alles, was da lief, war immer »nett«, aber so, wie es da steht, war es nun mal: »As real as steel, as funky as a donkey!« So real wie Stahl, so flippig wie ’ne Horde Esel. Wichtig ist, dass es eine Zeit gab, in der die BPP der schwarzen Nation Ruhm brachte.

Seit der Ermordung Fred Hamptons, des 21jährigen Vizevorsitzenden der Ortsgruppe Chicago, am 4. Dezember 1969, gingen wir davon aus, eines Morgens in unseren Betten erschossen zu werden. Wenn das der Preis für die Befreiung unseres Volkes war, so schreibt Aaron Dixon, waren wir bereit, ihn zu zahlen. Die Geschichte erteilt uns Lektionen. Vielleicht hätte die Partei weiterbestehen können, wenn wir Panthers mitfühlender miteinander umgegangen wären.

Jedenfalls danke ich der Ortsgruppe Seattle für die Ehrung. Ich nehme sie an im Namen der Pantherjournalisten, die mir beibrachten zu schreiben. Ich nehme die Ehrung an im Namen von Zayd Malik Shakur, dem stellvertretenden Informationsminister der Ortsgruppe von New York City, Schwester Safiya Bukhari, die das BPP-Informationsministerium der Ostküste leitete, und Kiilu Nyasha, die mit ihrem Programm »Freedom is a Constant Strugg­le« den Rundfunk von San Francisco bereicherte. Weil es so ist: Der Kampf um die Freiheit hört niemals auf!

Ich verabschiede mich mit der Parole der Partei: »All Power to the Peop le! – Alle Macht dem Volk!«

Übersetzung: Jürgen Heiser

Die heutige Kolumne schrieb Mumia Abu-Jamal als Beitrag für die Konferenz »Seattle Chapter of the Black Panther Party: 50 Years of Pride and Power! 1968-2018« (26.–28. April 2018, ­Seattle)


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