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Lesetipp: Ambivalenter Abschluss

Ingrid Kurz-Scherf nimmt im Express eine differenzierte Analyse des jüngsten Tarifabschlusses in der Metall- und Elektroindustrie vor. Die IG Metall habe in der Auseinandersetzung – bei der sie erstmals sogenannte Tagesstreiks organisierte – ihre Streikfähigkeit demonstriert, so die Politikwissenschaftlerin. »Sie kann in ihren Streikformen kreativ sein, weil sie auf eine breite Folgebereitschaft bis hin zu ganz neuen Formen der ›zivilen Verweigerung‹ zählen kann«. Die im Ergebnis erreichten Lohnerhöhungen hält sie »angesichts der Gewinnmargen der Metall- und Elektroindustrie« allerdings für eher bescheiden, auch wenn sie sich im Vergleich zu anderen Branchen durchaus sehen lassen könnten. Die Vereinbarungen zur Arbeitszeit – einerseits die Wahlmöglichkeit der Beschäftigten zwischen Arbeitszeitverkürzung und Geld, andererseits die erweiterte Möglichkeit für die Unternehmer, die Arbeitszeiten über 35 Wochenstunden hinaus auszuweiten – bewertet die Wissenschaftlerin als widersprüchlich, auch in ihrer Wirkung auf die Betriebsräte. »Praktisch kann und wird sich diese neue Kultur der Aushandlung betrieblicher Arbeitszeitregime als zusätzliche Herausforderung und Belastung der betrieblichen Interessenvertretung auswirken«, sagt die Autorin voraus. Zugleich würden jedoch mit der Verbindung von Verkürzung und Flexibilisierung »die Handlungsparameter der betrieblichen Arbeitszeitgestaltung im Sinne der Beschäftigten (…) gestärkt«. (dab)

Express. Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit, 3/2018, 16 Seiten, 3,50 Euro.www.labournet.de/express

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Erschienen in der Ausgabe vom 24.04.2018, Seite 15, Betrieb & Gewerkschaft

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