Aus: Ausgabe vom 27.04.2018, Seite 12 / Thema

Gefangen in Wilhelms Schloss

Frankreichs Präsident Macron denkt an die Rückgabe der Raubkunst aus den Kolonien. Doch bei Angela Merkel stieß er damit kürzlich im sogenannten Humboldtforum auf taube Ohren

Von Otto Köhler
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Wie komme ich hier nur wieder raus? Der französische Präsident am 19. April nach Besichtigung der Schlossdoublette mit der Kanzlerin

Donnerstag letzter Woche, mittags, an Deutschlands übelster Baustelle. Um zwölf Uhr, pünktlich, sollte er da sein. Monika Grütters, die Kulturstaatsministerin trippelt ungeduldig am Eingang unter den Baugerüsten hin und her. Angela Merkel gesellt sich dazu und die drei Hausherren des Unglücksbaus auch: Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, zusammen mit Neil MacGregor sowie Horst Bredekamp, alle drei Gründungsintendanten des »Humboldt Forums«. Kommt er endlich? Ist die Verspätung ein beabsichtigter Fauxpas? Um 12.26 Uhr lässt sich Frankreichs Staatspräsident endlich vorfahren. Die Verspätung war mutmaßlich keine Absicht, leider, sondern nur dem Verkehrschaos in Berlin geschuldet.

Emmanuel Macron konnte froh sein. Merkel hätte ihn ja – kein schlechter Einfall – auch zu der immer noch existierenden Siegessäule bestellen können, die Kaiser Wilhelm I. am Sedantag 1872 zur Erinnerung an den Sieg über Frankreich eben jenes Deutschen Reiches eingeweiht hatte, das dazu erst im besetzten Versailles gegründet wurde. Aber Merkel hatte die noch bessere Idee. Sie bewillkommnete den französischen Präsidenten in der noch in Arbeit befindlichen Doublette des Stadtschlosses von Kaiser Wilhelm II., das, als Humboldt Forum getarnt, von Deutschlands neuester Größe zeugt. Jetzt ist er endlich da, Emmanuel Macron, und wird staatsmännisch und pflichtgemäß abgeknutscht, Küsschen hier, Küsschen da.

142 Tage zuvor stand Emmanuel Macron vor mehreren hundert Studenten im Audimax der Universität von Ouagadougou in Burkina Faso. Das war am 28. November. Es dauerte, bis mehr als eine kleine dpa-Meldung an die deutsche Öffentlichkeit drang. Am 12. Januar schließlich entdeckte die Frankfurter Allgemeine Zeitung verspätet, aber immerhin als erste, das »Ende der kolonialen Amnesie: Der französische Präsident Macron fordert, das künstlerische Erbe Afrikas zu restituieren«. Die FAZ verlangte: »Das muss Folgen haben – auch für das Humboldtforum«.

Wieviel Blut tropft?

Geschrieben hatte den Artikel – zugleich auch für Le Monde – Bénédicte Savoy. Die französische Kunsthistorikerin und Professorin an der Technischen Universität Berlin und Inhaberin des internationalen Lehrstuhls »Histoire culturelle du patrimoine artistique en Europe, XVIIIe–XXe siècles« am Collège de France. Sie saß, bis sie im Sommer 2017 die Geduld verlor, im internationalen Beratergremium des sogenannten Humboldt Forums. »Ich will wissen, wieviel Blut von einem Kunstwerk tropft«, erklärte sie und trat aus dem Gremium aus. Unmöglich erschien es ihr, rechtzeitig bis zur geplanten Eröffnung 2019 die Herkunft all der Kunstwerke zu überprüfen, die aus den ethnologischen Museen in die Schlosskopie verbracht werden sollten. Noch immer, berichtete der Tagesspiegel, lagern in den Dahlemer Depots zigtausende Stücke, deren Herkunft ungeklärt ist, darunter rund 50 Kisten, die nach dem Anschluss 1990 aus Leipzig nach Berlin rücküberführt wurden und deren Inhalt bislang – wie viele Wiedervereinigungen braucht man dazu noch? – nicht identifiziert ist. Allein das Ethnologische Museum hütet 500.000 Objekte.

Am 5. März 2018 berief Emmanuel Macron eine Kommission für die Restitution von Kunstwerken an Afrika. Leitung: Bénédicte Savoy und Felwine Sarr, Dichter, Musiker und Professor für Wirtschaft an der Université Gaston Berger in Saint-Louis im Norden Senegals. »Ich gehöre zu einer Generation von Franzosen, für die die Verbrechen der europäischen Kolonialisierung unbestreitbar und Teil unserer Geschichte sind«, hatte zuvor der französische Präsident den Studenten von Ouagadougou erklärt. Auf Twitter legte der Elysée-Palast nach: »Das afrikanische Erbe darf kein Gefangener europäischer Museen sein.«

Savoy in der FAZ: »Eine Revolution. Voller Verblüffung registriert die westliche Presse dieses tektonische Beben. Innerhalb wie außerhalb Afrikas sehen jene, die seit langem schon für die Rückgabe des verlorenen Erbes kämpfen, ein neues Zeitalter anbrechen«. Macrons Rede von Ouagadougou betreffe zwar zunächst einmal Paris und seine prestigeträchtigen Sammlungen afrikanischer Kunst, schreibt Savoy. Sie habe aber auch Auswirkungen auf ganz Europa und die kolonialen oder aus Missionstätigkeit stammenden Bestände der dortigen ethnologischen Museen: »Vom British Museum (mehr als 200.000 afrikanische Objekte) bis zum Weltmuseum Wien (37.000), vom Musée royal de l’Afrique centrale in Belgien (180.000) bis zum zukünftigen Humboldtforum in Berlin (75.000), von den Vatikanischen Museen bis zum Musée du Quai Branly (70.000) – die Geschichte der Afrikasammlungen ist eine gemeinsame europäische Geschichte, eine Familienangelegenheit, wenn man so will, in der ästhetische Neugier, wissenschaftliches Interesse, militärische Expeditionen, Handelsnetze und ›Gelegenheiten‹ jeglicher Art dazu beigetragen haben, Logiken der Herrschaft, der Selbstbestätigung und der nationalen Rivalität zu nähren.«

Savoy sieht sich schon an der Arbeit: »Man wird sich Zeit nehmen müssen, unserer heimischen Öffentlichkeit zu erklären, was man tut und warum man es tut. Schließlich wird man den Museumsbesuchern erzählen müssen, wie diese Sammlungen zustande kamen; auf welche Weise, wann und zu welchem Preis diese Werke zu uns gelangten. Und gewiss wird man einige museographische ›Selbstverständlichkeiten‹ und ›Tabus‹ in Frage stellen müssen. Und wenn es so geschehen soll, dann soll es auch mit Freude geschehen, einer verantwortungsvollen, klugen und überlegten Freude, die diesem großen Projekt des 21. Jahrhunderts eine Seele verleiht.«

Sie zitiert Macron: »Ich möchte, dass innerhalb der nächsten fünf Jahre die Voraussetzungen für zeitweilige oder endgültige Restitutionen des afrikanisches Erbes an Afrika geschaffen werden«. Und hofft: »Die Wette gilt«. Doch Hermann Parzinger, der Eigentümer oder wie es offiziell heißt, der Präsident seines preußischen Kulturbesitzes bockt: »Man soll nicht immer so tun, als wäre alles zusammengeklaut.«

Alles nicht. Und außerdem wurde oft nicht einfach nur geklaut. Das meiste musste unter großem militärischen Aufwand sorgfältig erbeutet werden. Die Frankfurter Allgemeine dokumentierte am 15. Januar 2018 auf ihrer Website, was geschah, als völlig legale britische Truppen 1897 in einer Friedensmission – Strafexpedition nannte man das damals noch – in das Königreich Benin einmarschierten. Die Hauptstadt wurde in Brand gesetzt, ein finaler Kollateralschaden von 130.000 eingeborenen Einwohnern, die gerade ein Fest feierten, konnte erzielt werden.

Tagebuch des Captain Herbert Walker von 1897: »20. Februar: Alles von Wert, das wir im Palast des Königs und den umliegenden Häusern gefunden haben, wurde im ›Palaver House‹ zusammengetragen. (…) Viele Bronzefiguren und geschnitzte Elfenbeinzähne wurden gefunden. Zwei Stoßzähne und zwei Leopardenfiguren aus Elfenbein wurden für die Königin reserviert. Der Admiral und seine Leute waren sehr damit beschäftigt, Stücke zu ›sichern‹, daher bezweifle ich, dass viel für die kleineren Fische übrigbleibt, selbst wenn wir Träger finden würden, die die Stücke abtransportieren könnten. Das ganze Camp ist voller Beute.
21. Februar: Den ganzen Morgen damit beschäftigt, Häuser niederzureißen.
23. Februar: Mit Niederreißen verbracht. Harte Arbeit.«

Kriegsbeute der Royal Navy

Für viele der Benin-Bronzen, die in Wilhelms Schloss als Kulturtrophäen einziehen, gibt es sogar Rechnungen ehrbarer Kaufleute und gewissenhafter Hehler. Die FAZ-Website: »Der Sieg über das Königreich Benin wurde 1897 begeistert gefeiert. Königin Victoria gratulierte der Royal Navy zum gelungenen Einsatz. Londoner Zeitungen brachten Sonderausgaben darüber, wie die britischen Truppen einem grausamen afrikanischen Königreich ein Ende bereitet hatten. Und es begann eine Odyssee von 3.500 bis 4.000 geraubten Objekten. Einige der schönsten Stücke gingen an die Queen, die meisten wurden nach Rückkehr der Truppen zur Finanzierung des Kriegs an Museen und Sammlungen in aller Welt verkauft. Viel von der Kriegsbeute behielten die Elitesoldaten selbst.«

Eine FAZ-Karte zeigt »Heutige Standorte geraubter Benin-Objekte«. Eine Linie weist auf das »Museum für Völkerkunde/Humboldtforum, Berlin«. Das Gebiet des ehemaligen Königreichs Benin liegt im heutigen Nigeria. Als Europas Soldaten damals raubten, gab es diesen Staat noch nicht. Die Kolonialgebiete Afrikas wurden 1884/5 auf der Kongokonferenz von den europäischen Mächten mit dem Lineal abgesteckt. Ausgestellt wurde die entsprechende Ratifikationsurkunde vom deutschen Kaiser in seinem Berliner Humboldt Forum. Die ganze erste Seite des historischen Dokuments ist ausgefüllt von der mächtigen Schrift: »Wir Wilhelm von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser Koenig von Preußen etc. urkunden und bekennen hiermit...« So wurde der europäische Zuschnitt Afrikas im Originalstadtschloss Wilhelm des Zwoten besiegelt.

Hanno Rauterberg hatte einen verrückten Einfall, den er in der Zeit kundtat: »Was wäre, wenn Italiener in den Senegal reisen müssten, um Michelangelos Pietà zu bewundern? Wenn Deutsche ihrem Grünewald-Altar nur in Sri Lanka, die Franzosen ihrem Monet-Mohnfeld allein in Peru begegnen könnten?« Rauterberg hat da einen unter zivilisierten Menschen lächerlichen Vergleich gezogen, denn er fährt fort: »Für die Menschen in Benin City ist das seit langem alltäglich: das Gefühl, enteignet, der eigenen Vergangenheit beraubt worden zu sein. Von den über 3.000 Kunst- und Kultwerken, die sie in ihrem Königspalast einst besaßen, ist weniger als ein Zehntel in Afrika verblieben. Es gibt zwar ein Museum in Benin City, doch etliche Stücke dort sind bloß Kopien. Und die Originale besitzt weiterhin der Norden, obwohl die UN und ebenso der Internationale Museumsrat seit Jahrzehnten auf Rückgabe drängen. Über 500 dieser Raubstücke gibt es allein in den Staatlichen Museen Berlins, darunter auch ein Thronstuhl aus dem 16. Jahrhundert.«

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Raubkunst. Wie diese Darstellung der Königinmutter Ioyba (frühes 16. Jahrhundert, Ethnologisches Museum Berlin) stehen zahlreiche Kunstwerke aus dem Palast des früheren Königreichs Benin noch immer in den Museen der früheren Kolonialmächte in Afrika

Hippokrates und Schrumpfköpfe

Ja, und? Thronstuhl hin. Thronstuhl her – in das, ja, Humboldt Forum. Wichtig ist doch nur, dass nicht alles nur geklaut ist, was dort steht. Diese begründete Mutmaßung hat nicht nur Gründungsintendant Parzinger – seine Intendanzkollegen Bredekamp und MacGregor sind sowieso dieser Ansicht. Den Vertrag des letzteren hat Kulturstaatsministerin Grütters gerade verlängert. Sie muss einen Narren an ihm gefressen haben – MacGregor hatte sich zuvor um Deutschland ziemlich verdient gemacht durch eine von ihm gestaltete Ausstellung im British Museum »Germany – Memories of a Nation«, die gleich am Eingang der Show den Volkswagen als Musterbeispiel für »Made in Germany« pries. Die Exposition hatte gerade noch rechtzeitig ihr Ende genommen, bevor herauskam, dass VW ein Betrugskonzern ist. Und MacGregor ist Fachmann für ein deutsches Kaiserreich, dessen Farben – schreibt er in einem C.H.Beck-Festband für Deutschland – Schwarzrotweiß waren.

Solch eine Niete ist der dritte, Bredekamp von der Humboldt-Universität, nicht. Fragt ihn der Tagesspiegel: »Und wie soll man mit spirituellen Objekten umgehen? Mit menschlichen Überresten wie Schrumpfköpfen?« Antwortet er: »Für spirituelle Objekte gibt es Modelle: Man könnte sie nachts zugänglich machen, damit sie verehrt werden können, ohne dass es der säkularen Bestimmung eines Museums widerspricht. Bei Schrumpfköpfen ist die Frage der Dignität eine andere, hier wäre eine Rückführung zu erörtern. Aber es ist meine Auffassung, dass alle Objekte zunächst in der Verantwortung der Museumsleute liegen. Sie sollen schützen und bewahren, das ist ihr Hippokrates-Eid. Es ist letztlich ein nur von Fall zu Fall lösbarer Konflikt.« Nachfrage: »Weisen Sie die Forderung zurück, Objekte an die Nachfahren der indigenen Völker zu restituieren?« Antwort: »Im Einzelfall kann es vollkommen richtig sein, aber es kann eben auch passieren, dass Objekte begraben werden, verwittern und verschwinden. Ich finde das unverantwortlich.«

In Berlin leben Afrikaner, die von ihren Eltern beauftragt wurden, nach den Schädeln ihrer von den Deutschen ermordeten Vorfahren zu suchen. Die Zeit entdeckte kürzlich ein streng bewachtes Depot von Parzingers Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Dort sind Tausende Totenschädel gelagert, an denen deutsche Rasseforscher ihre Fähigkeiten erprobt haben. Fragt die Zeit: »Warum aber werden auch heute noch Tausende afrikanische Schädel in deutschen Archiven gelagert? Gibt es in Afrika keine Friedhöfe?«

Man könnte sie natürlich auch im Humboldt Forum als Zeugnisse deutscher Kultur, deutscher Wissenschaft und deutschen Militärs ausstellen. Gegen den Hippokrates-Eid des Gründungsintendanten Bredekamp würde das kaum verstoßen.

Strafexpedition an die Spree

Falls nicht vorher eine Strafexpedition aus Afrika in Berlin einrückt, echte Berliner Bürger tötet, die Schlosskopie zerstört, nachdem die Ausstellungsgegenstände in ihre Heimatländer returniert wurden, dann wird dieses »Humboldt Forum« Ende nächsten Jahres mit einer eindringlichen Ansprache unseres Bundespräsidenten – vielleicht kommt auch die Queen – feierlich eröffnet werden, und vor aller Welt werden stolz die sorgfältig kuratierten Bronzen aus Benin, insbesondere der prächtige Königsthron zur Schau gestellt.

Und was wurde aus Macron in der Schlosszweitfassung? Wäre es ihm mit seiner Rede von Ouagadougou völlig ernst gewesen, dann hätte er bei seinem Berlin-Besuch vorher auf diplomatischem Weg verhindert, von der deutschen Staatschefin demonstrativ im sogenannten Humboldt-Forum vorgeführt zu werden. Doch er verneigte sich vor diesem Gesslerhut, um anschließend im Kanzleramt normale Gespräche führen zu können.

Zuvor aber in Wilhelms demnächst bis ans Kreuz hinauf restauriertem Schloss gab die Kanzlerin eine Pressekonferenz für Ausgewählte, in der sich auch ihr Gast bekennen durfte. Merkel zuerst: »Meine Damen und Herren, wir freuen uns, Sie heute hier im Humboldt-Forum, das im Entstehen ist, begrüßen zu können.« Besonders aber freute sie sich, »dass Emmanuel Macron, der französische Präsident, meine Einladung angenommen hat, denn dies« – Wilhelms Schlossdoublette mit dem kolonialen Beutegut – sei ein »sehr europäisches Projekt, und es ist ein Projekt, in dem wir darstellen wollen, dass wir Teil einer großen globalen Welt sind und diese Globalisierung auch formieren wollen, gestalten wollen«. Dies sei »etwas, was Frankreich und Deutschland eint«.

Und darauf war Emmanuel Macron genötigt zu sprechen, als habe er seine Rede von Ouagadougou nie gehalten. Er sprach seinen »vielen herzlichen Dank« aus für »diese Einladung« – ins Schloss. Er sei »sehr froh«, dass er »heute hier« sein könne und dass »wir den Austausch mit der wirklich begeisternden Besichtigung des Humboldt-Forums beginnen konnten, mit den Erklärungen und dem Blick, den wir haben konnten, und auch mit der gemeinsamen Wahrnehmung dieses schönen Projektes.«

Er denke, es sei »ein schöner Beginn dieses Arbeitstreffens, dass wir uns in diesem hochsymbolischen Gebäude treffen«. Das sei ein »universelles, aber auch deutsches Projekt«. Das sage auch sehr viel über »unseren gemeinsamen Ehrgeiz«, nämlich »unser Europa gemeinsam aufzubauen«. Das sei »das Ziel, das wir hier in diesem Gebäude sehen, denn die Kultur bietet uns auch die Möglichkeit, unsere Länder zu stärken«, das sei ihm sehr wichtig. Es sei »eine hervorragende Idee, gemeinsam hier im Humboldt-Forum unser Arbeitstreffen zu beginnen«.

Und dann kam als letztes schüchternes Auflehnen Macrons Beichte: Er habe »auch den Vorschlag gemacht, dass wir beispielsweise über die Rückgabe von Kulturgütern sprechen und auch gemeinsam europäisch darüber nachdenken; denn das ist ein wichtiges Thema«. Und schließlich sprach der Held von Ouagadougou, dass wir »auch den nichteuropäischen Zivilisationen Zugang bieten sollten. Das ist die Entscheidung, die Sie hier getroffen haben«.

Zugang! Jeder Neger in Afrika kann einen Flug zum modernen BER buchen und sich seine alten Sachen im Humboldt Forum angucken. Vielleicht sogar mit ermäßigtem Eintritt. Ja, Macron ist doch wohl ein unsicherer, ein schwacher Kantonist beim Kampf gegen die Folgen des Kolonialismus. Dieser Herr ist eben immer en marche. Auf deutsch: au cul.

An dieser Stelle rief Otto Köhler am 3. März Hilfe, ich bin in der SPD

Unser Autor Otto Köhler hat für die Mitgliederversammlung des PEN-Zentrums Deutschland an diesem Wochenende folgenden Antrag gestellt:

Deutschland ist seit dem 3. Oktober 1990 in Pracht und Herrlichkeit wiedererstanden. Das als »Humboldt-Forum« getarnte wilhelminische Schloss im Zentrum Berlins ist mit dem Vorhaben, dort auch Raub- und Beutekunst aus den kaiserlichen Kolonialkriegen auszustellen, der vorläufige Höhepunkt von Deutschlands Wiederaufstieg. Von Hermann Parzinger, dem Präsidenten der zuständigen Stiftung Preußischer Kulturbesitz, stammt das Eingeständnis: »Es ist nicht alles nur geklaut«. Wir vom PEN-Zentrum Deutschland schämen uns für diese Entwicklung und fordern: Das Schloss darf im kommenden Jahr als »Humboldt-Forum« nur dann wiedereröffnet werden, wenn die Provenienz eines jeden Ausstellungsstückes einwandfrei geklärt ist. Raub- und Beutestücke aus der Kolonialzeit sind zurückzugeben. Zuvor sind Repliken anzufertigen, die im Schloss mit minutiöser Schilderung ihrer »Erwerbsgeschichte« auszustellen sind. Das gleiche gilt für die bisher noch nicht als Exponat im Humboldtforum vorgesehene »S-Sammlung« des Preußischen Kulturbesitzes. Die von den Friedhöfen gestohlenen, manchmal auch gegen Glasperlen legal von Kindern erworbenen Schädel sind an die afrikanischen Ursprungsstaaten zurückzugeben. Originalgetreue Repliken sollen samt ihrer Provenienzgeschichte das Humboldt-Forum als Zeugnisse deutscher Kultur und Wissenschaft zieren. Wenn diese Bedingungen erfüllt sind, kann das Humboldt-Forum im Berliner Schloss eröffnet werden.


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