Aus: Ausgabe vom 23.04.2018, Seite 8 / Ansichten

Kampfschwein des Tages: Julian Reichelt

Von Arnold Schölzel
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Ein Ruck nach rechts geht durch Deutschland, also muss Bild von der Leine. Die Leistungen von AfD-Dödeln oder von deren Beratungsblatt FAZ auf den Fachgebieten islamophobe Hirngespinste, christlich-arisches Herrenvolkstum oder Schießwut überbietet Springers Vermarktungsmaschine für Absonderungen von Körperflüssigkeiten sogenannter Prominenter spielend. In den vergangenen Wochen hat das Sprachrohr des vorgeblichen Volksempfindens (Druckausgabe: etwa 1,6 Millionen Auflage, stark sinkend, Reichweite dennoch täglich fast zehn Millionen Leser; im Internet: etwa 380 Millionen sogenannte Visits aus dem Inland im Januar 2018, Marktanteil bei deutschen Onlineportalen etwa 20 Prozent) an Aggressivität derart zugelegt, dass es selbst dem Spiegel auffiel. Die Hamburger Illustrierte widmet sich in ihrer aktuellen Ausgabe daher Julian Reichelt (geb. 1980), seit Februar 2017 bereits Vorsitzender der Bild-Chefredaktionen, seit 1. März auch Chefredakteur der Printausgabe. Spiegel: »Was Bild an Auflage verloren hat, macht Reichelt durch Gebrüll wieder wett.«

Der Kämpfer gegen Moskau und »Putin-Versteher« führt Bild, das noch nie eine Zeitung war, zurück in die westdeutsche 50er-Jahre-Dauerhysterie: »Der Russe« will morgen im Atlantik baden. Seinen Kreuzzugswahn holte sich Reichelt als publizistisches Kampfschwein in Kriegen, die der Westen angezettelt hat. Außerdem war er laut Spiegel seinem Vorgänger, dem langjährigen Bild-Chef Kai Diekmann, zu Diensten, als dieser 2016 mit einem Vergewaltigungsvorwurf konfrontiert wurde. Reichelt schrieb demnach ein Gedächtnisprotokoll über seine Erfahrungen mit der betreffenden Kollegin und kam zum Schluss, sie sei eine »unfassbare, gefährliche Hochstaplerin«. Die Springer-Spitze ermittelte selbst, »erst danach gab der Konzern den Fall an die Staatsanwaltschaft ab«, die verkündete vor acht Monaten die Einstellung. Aus Reichelt wird noch was.


Debatte

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  • Beitrag von Roland W. aus A. (23. April 2018 um 13:36 Uhr)

    Dieser Redakteur von BILD lieferte bereits in einer der unsäglichen Talkshows als es vor mehr als einem Jahr um Syrien ging und der Autor Lüders dort einige andere , unerwünschte Wahrheiten aussprach, übermäßiges an Kriegseifer, Hetze und ungeduldigste Kriegstreiberei mit Schaum vorm Munde.

    Sind das heute nicht wieder einmal jene, die der Zeitgeist fordert und wünscht, eben auch hervorbringt , nach oben spült? Wir stoßen bei vielen friedliebenden Menschen, Kriegsgegnern auf ein wundersames Unverständnis unter uns selbst. Die Frage einer Möglichkeit eines dritten Weltkrieges, verdrängen wir gern, wollen wir nicht real erkennen, der Glaube an eine Vernunft des Kapitals und ihrer Apologeten hält sich stark, die Hoffnung man riskiere es nicht. Vielleicht heute noch nicht, morgen noch nicht, aber übermorgen sicher, wenn diesen und solchen Kriegstreibern nicht das Handwerk durch die Millionen gelegt wird. Wie können wir uns so sicher sein, wenn wir um die Expnsionzwänge des Kapitals wissen, um sein Streben und Riskieren seit Marx (...300 Prozent und es existiert kein Verbrechen...) , bis heute aktuell und tausendfach erwiesen ? Es ist eben jedem humanistisch denkendem Menschen nicht denkbar, daß von Menschen solches ausgelöst werden kann und wurde. Es sind immer auch Menschen gewesen, die vielleicht nie Krieg wollten, aber die Bedingung für Bedingung schufen, die an den Punkt führten, wo er unausweichlich wurde. Dabei sind wir und können es wissen, kennen wir die Reichelts und Politiker, die Rüstungskonzerne und mehr.

Infos und Verweise zu diesem Artikel:

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Joán Ujházy: Beleidigung für kluge Tiere Die Betitelung von Reichelt als »Kampfschwein« ist weniger eine Beleidigung dieses Mini-Göbbels als vielmehr eine Beleidigung der sozialen und sehr klugen Schweine. Zumindest hat der Titelgeber dieses...
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