Aus: Ausgabe vom 17.04.2018, Seite 2 / Inland

Atommüllfässer mit Lecks

442 Behälter mit radioaktivem Abfall müssen »nachbehandelt« werden

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Atommüllbehälter setzen häufig Rost an, so auch im niedersächsischen Leese

Am Sonntag abend wurde bekannt, dass es im Depot für schwachradioaktive Abfälle im niedersächsischen Leese Probleme gibt. Landesumweltminister Olaf Lies (SPD) bestätigte gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa), dass dort 442 Fässer mit strahlenden Hinterlassenschaften aus der Medizintechnik auf Feuchtigkeitsbildung im Inneren »überprüft« werden müssen.

Der NDR hatte zuvor unter Berufung auf eine bisher unveröffentlichte Studie im Auftrag des Umweltministeriums in Hannover von »sich aufblähenden Deckeln« und »rostigen Verschlüssen« berichtet. Mehr als 400 Behälter müssten »intensiv nachbehandelt« werden. Ein Sprecher der Firma Eckert und Ziegler, dem Betreiber der Deponie, erklärte, man kommentiere »grundsätzlich keine Spekulationen von dritter Seite in anderen Medien«.

In Leese wird Müll gelagert, der dem Bundesland gehört. Es handelt sich dabei um medizinische Abfälle etwa aus Röntgenpraxen oder aus der Krebstherapie. Laut NDR befinden sich dort 1.484 Fässer. Beschädigte Behälter können nicht in Leese bearbeitet werden, weil sie in der Lagerhalle sehr eng stehen. Deshalb wird nach Angaben von Minister Lies gerade per Ausschreibung eine Firma gesucht, die alle Fässer abtransportiert, untersucht und endlagerfähig macht.

In der Vergangenheit waren immer wieder Fälle publik geworden, in denen an Zwischenlagerstandorten Atommüllfässer in großer Zahl durchgerostet waren, so in Gorleben, wo die Abfälle ebenfalls oberirdisch deponiert sind. BfE-Präsident König hatte vergangenen Donnerstag versichert, dass die radioaktiven Hinterlassenschaften auch nach Auslaufen der Betriebsgenehmigungen für die zwölf Zwischenlager in der BRD in den 2030er Jahren keinerlei Gefahr für die Bevölkerung darstellen. Die zeitliche Begrenzung der Genehmigungen habe keine Sicherheitsgründe gehabt, so König. In der Bundesrepublik geht voraussichtlich 2022 das letzte Atomkraftwerk vom Netz. Bis 2031 soll ein Standort für ein Endlager gefunden werden, das dann aber erst »Mitte des Jahrhunderts« in Betrieb gehen wird. (dpa/jW)

Hinweis:

In einer früheren Fassung dieses Artikels wurde Wolfram König, Präsident des Bundesamts für kerntechnische Entsorgungssicherheit, mit den Worten zitiert, er kenne »keinen einzigen Fall«, in dem ein deutsches Zwischenlager für Atommüll unsicher sei. Das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit ist Genehmigungsbehörde für Zwischenlager mit hochradioaktiven Abfällen. König hat sich bei seinen Aussagen ausschließlich auf diese Lagerstätten, nicht jedoch auf Depots für schwachradioaktive Materialien bezogen. (jW)


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