Aus: Ausgabe vom 16.04.2018, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

Brasiliens »Eliten«

Zu jW vom 7./8. April: »Freiheit für Lula!«

Brasiliens »Eliten« sind hochgradig inkompetent und korrupt. Ohne Schutzzölle von bis zu 70 Prozent könnten diese tollen Unternehmer dem internationalen Wettbewerb nicht standhalten. Wenn man sich das Parlament anschaut, so dürfte der Prozentsatz an Delinquenten internationale Rekordwerte erreichen. Die Medienkette Globo – die die Köpfe der Brasilianer mit ihren nicht sehr ansprechenden Produkten vernebelt – war unfähig, außerhalb Brasiliens zu punkten und zu expandieren. Der große Staatskonzern Petrobras wurde von der Korruption zerfressen, und es war nicht die Arbeiterpartei von Expräsident Lula und Nachfolgerin Rousseff, sondern die PMDB des gegenwärtigen Amtsinhabers Temer, die dafür verantwortlich war. Und wenn man sich ein weiteres großes Flaggschiff dieser Bourgeoisie anschaut, das größte Bauunternehmen Brasiliens, Odebrecht, das beinahe in jedem lateinamerikanischen Land für Aufruhr durch großflächiges Schmieren sorgte, so steht auch nicht viel dahinter. Brasiliens Privatbanken: Auch da ist nichts ansatzweise Bewundernswertes! Was haben diese Herren (es sind ja meist Herren oder Machos) hervorgebracht: einen schmierigen Selbstbedienungsladen, den man im Mülleimer der Geschichte entsorgen kann! (…) Meinen sie etwa, (…) dass die Brasilianer sich ewig für dumm verkaufen lassen?

Achim Lippmann, per E-Mail

Verkommenes System

Zu jW vom 9. April: »Revolution ist Kleinkram« und »Frühsozialismus und ­Entwicklungsdiktatur«

Georg Fülberth und Volker Külow haben nun geklärt, dass sich Lenin 1917 grundlegend geirrt hat. Statt Sozialismus errichtete er den Kapitalismus, und dazu noch in der Form einer »brutalen bürokratischen Entwicklungsdiktatur«. Oder war Lenin sogar ein Agent des Kapitalismus, wenn er »1918 zum Advokaten einer Rekonstruktion der kapitalistischen Arbeitsverhältnisse« geworden war? Leider geben die Autoren ihre »Geschichtserkenntnis« nicht preis. Plädieren sie für den Verzicht auf eine revolutionäre Umgestaltung (…)? Oder wollen sie sie doch (…)? Wie genau hätten sie die Revolution von 1917 weitergeführt, mit 75 Prozent Analphabeten, einem ökonomisch völlig zerstörten Land, umkreist von hochentwickelten kapitalistischen Raubstaaten, die (noch bis 1960/1970) ihre ökonomische Kraft und Arbeitsproduktivität in hohem Maße durch die Ausbeutung von 80 Prozent der in den Kolonien (…) schuftenden Weltbevölkerung erzielten, wenn den Kommunisten dafür nur 20 Jahre und nicht Jahrhunderte zur Verfügung standen? Wie hätten sie die Sowjetunion 1945 zum erneuten Neuanfang geführt, mit (…) 27 Millionen Toten (…), zerstörter Infrastruktur und erneuter feindlicher Umkreisung (…), jetzt im Zentrum die USA mit Atomwaffen, die auf dem Kontinent von keiner Bombe getroffen waren (…)?

Was ist aber heute aus dem kapitalistischen System geworden, das in den letzten 200 Jahren 300 Kriege mit mindestens 120 Millionen Toten, Hunderten Millionen Versehrten und Flüchtlingen erzeugte, in Amerika die eigentlichen Eigentümer des Landes umbrachte oder vertrieb, den Reichtum durch bis zu 20 Millionen Sklaven erarbeiten ließ? Das Weltkapital beutet noch heute Milliarden Menschen im Produktionsprozess unmenschlich aus und lässt sie im Elend leben. Die heutigen Kriege machen deutlich, dass dieses System (…) restlos verkommen ist, was sich auch in Deutschland durch zunehmenden Mord und Totschlag (…) und die Gier der Regierung nach »Militäreinsätzen« weltweit zeigt.

Gerhard Ulbrich, per E-Mail

Maß aller Dinge

Zu jW vom 9. April: »Erneuerbare boomen«

Vor ein paar Jahren ließ ich für 20.000 Euro eine Solaranlage auf meinem Dach installieren. Damit wurde ich steuertechnisch ein Zwitter aus Unternehmer und Privatbetreiber und darf jährlich Einkommens- und Umsatzsteuer bezahlen. Außerdem bin ich Zwangsmitglied der IHK, bei einem »Jahresgewinn« von immerhin circa 1.000 Euro. Der Überschuss an erzeugtem Strom fließt an den örtlichen Energieträger, zu einem niedrigeren Preis als der von mir bezogene Strom in Zeiten ohne Sonnenschein. Summa summarum wird wirtschaftlich nur eine schwarze Null nach absehbar 20 Jahren Betriebszeit bleiben. An der Entwicklung bezahlbarer und leistungsfähiger Energiespeicher oder dezentraler Blockkraftwerke sind weder die Industrie noch die Politik interessiert. Solche sehr sinnvollen Einrichtungen würden im Verbund mit Windkraft den Strombedarf hierzulande abdecken und unsinnige Trassen ersparen. Ein Blick auf die Dächer beweist, dass trotz der widrigen Umstände große Bereitschaft besteht, sich auch privat an der alternativen Erzeugung von Strom und Wärme zu beteiligen. Dagegen stehen einzig die Profitinteressen der großen Energiekonzerne, und die sind halt im kapitalistischen Staat das Maß aller Dinge.

Dieter Reindl, Nürnberg

Immer schäbiger

Zu jW vom 14. April: »Kriegsgrund gesucht«

Der Anlass für den Ersten Weltkrieg war ein Schuss aus einer Pistole von einem »echten« Attentäter. Der wurde verurteilt und getötet. Der Anlass für den Zweiten Weltkrieg war ein Angriff auf einen Sender von »unechten« Attentätern. Die »Väter« dieser Aktion wurden 1945 in Nürnberg als Kriegsverbrecher verurteilt und getötet. Und der Anlass für einen dritten Weltkrieg soll nun offenbar der von Geheimdiensten eingefädelte »Gaskrieg« in Syrien werden? (Russlands Außenminister Lawrow hatte Freitag mittag bekanntgegeben, dass ein ausländischer Geheimdienst den angeblichen Giftgasangriff in Syrien mit Hilfe der »Weißhelme« inszeniert habe. Später wurde präzisiert, dass es sich um den britischen Geheimdienst gehandelt haben soll; jW). Also, der Imperialismus bedient sich für seine Zwecke immer schäbigerer Mittel. Und wann und wo werden diese »Väter« zur Rechenschaft gezogen?

Dr. Günther Freudenberg (dieser Leserbrief erreichte uns über die Kommentarfunktion für Onlineabonnenten)