Aus: Ausgabe vom 16.04.2018, Seite 8 / Ansichten

Medizinmann des Tages: Bernard große Broermann

Von Simon Zeise
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Gesundheit wird im Kapitalismus den heilenden Kräften des Marktes überlassen. Ärzte und Pflegekräfte sind gnadenlos überlastet. Operiert wird im Akkord. Der Gründer der privaten Asklepios-Krankenhäuser, Bernard große Broermann, hat mit dem Geschäftsmodell Milliarden verdient. Für den Protest der Beschäftigten hat er nichts übrig: »Das ist reine Stimmungsmache, mit der Realität hat das nichts zu tun«, sagte er der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. »Alle Vorwürfe, wir sparten an Ärzten und Pflegern, am Personal insgesamt, sind schlicht und ergreifend falsch.« In einem Verdi-Aufruf heißt es, am liebsten würde der Firmenpatriarch »wohl überhaupt keine Verträge abschließen«. Nur »in harten Auseinandersetzungen« hätten die Beschäftigten ein paar Verbesserungen erkämpft. Broermanns Devise laute: »Hauptsache billig und ohne Tarifvertrag«, kritisiert die Gewerkschaft.

Sollen sich mal nicht so haben, denkt große Broermann. Ein unabhängiges Gutachten habe festgestellt, die Personalkosten seien in seinen Häusern höher als anderswo. »Dass wir trotzdem Gewinn machen, nach Steuern etwa sechs Prozent vom Umsatz, liegt an Größenvorteilen und am effizienten Management.« Die Gehälter in den Krankenhäusern seien gemessen an der Arbeitsbelastung zu niedrig, das sieht er schon auch so. »Aber überall, nicht nur bei Asklepios«, weiß der Philantrop. Damit es besser wird, hat er sich ein Konzept überlegt. Monatspauschalen sollen her. »Da gibt es keinen Anreiz für unnötige Mehrleistungen mehr, weil das ja Geld kostet.« Unterstützung hat er bereits vom Wirtschaftsrat der CDU bekommen. »Das ist doch schon mal ein kleiner Anfang.« Derzeit wage sich die Politik nämlich kaum noch an Privatisierungen heran. »Die Stimmung hat sich komplett gedreht – bedauerlicherweise.« Gesundheitsminister Jens Spahn wird es richten – außer er wird krank.


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