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Aus: Ausgabe vom 11.04.2018, Seite 3 / Schwerpunkt

Hintergrund: Sündenböcke

Die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua kommentierte am Dienstag den Handelskonflikt zwischen den USA und China:

Vor über einem Jahr hat der chinesische Präsident Xi Jinping beim Weltwirtschaftsforum in Davos den freien Handel energisch verteidigt und die Welt mit der Unterstützung Chinas für die Globalisierung beeindruckt. Diese Verteidigung ist heute relevanter geworden. (…)

Ironischerweise ist die westliche Welt, in der die Globalisierung ihren Anfang nahm, mittlerweile auf die eine oder andere Weise der Globalisierung feindlich gesonnen. Skeptiker argumentieren, dass die Globalisierung, die freien und offenen Handel bedeutet, sie ihre Arbeitsplätze zu Hause und ihre Art zu leben kostet. Die reichen Länder haben die größte Anzahl der größten multinationalen Konzerne, wie Apple, McDonald’s und IKEA. Diese multinationalen Unternehmen haben Niederlassungen im Ausland, wo die Betriebskosten niedriger sind, so dass sie ihre Gewinne steigern und dann den Löwenanteil davon einstreichen können, aber die Fließbandarbeiter in den Entwicklungsländern mit winzigen Löhnen abgespeist werden.

Laut dem »World Inequality Report« des World Inequality Lab an der Paris School of Economics vom vergangenen Jahr haben die oberen ein Prozent zwischen 1980 und 2016 in Nordamerika und Westeuropa 28 Prozent des gesamten Anstiegs der Realeinkommen erzielt, während die unteren 50 Prozent nur neun Prozent davon erhalten haben. Es ist Politikern in einigen westlichen Ländern bisher nicht gelungen, Lösungen für diese wachsende Wohlstandslücke zu finden. Statt dessen suchen sie nach Sündenböcken, geben anderen Ländern die Schuld am Verlust von Arbeitsplätzen und profitieren vom einheimischen Populismus.

(Übersetzung: sz)

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