Aus: Ausgabe vom 06.04.2018, Seite 15 / Feminismus

Rückschau auf halber Strecke

Seit 25 Jahren kämpft der Verein Saathi in Nepal für Frauenrechte – mit beachtlichem Erfolg

Von Thomas Berger, Kathmandu
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Das Hauptquartier steht in einem relativ neuen Viertel von Patan (Lalitpur) nahe Nepals Hauptstadt Kathmandu. Von hier aus operiert »Saathi«, zu deutsch »Freund«, einer der größten und ältesten Frauenrechtsvereine des südasiatischen Landes. 2017 feierte Saathi 25 Jahre engagierten Kampf für mehr Gleichberechtigung auf allen gesellschaftlichen Ebenen und gegen häusliche Gewalt. Gerade letzteres Problem habe der Verein als erster und lange als einziger thematisiert, sagt Santosh Pokharel, der Projektkoordinator, im Gespräch mit jW. Im Namen des Teams zieht er Ende März eine gemischte Bilanz des bisherigen Wirkens.

Als Erfolg wird bei Saathi die erhöhte politische Repräsentanz von Frauen gewertet. Die neue Verfassung von 2015, Ergebnis des Friedensprozesses zwischen der vormaligen maoistischen Guerilla und der Staatsmacht, schreibe erstmals grundsätzlich viele Rechte fest. 33 Prozent Frauenanteil in den Vertretungen aller politischen Ebenen, das sei ein riesiger Fortschritt, mit dem sich Nepal auch international sehen lassen könne. »Und bei den Kommunalwahlen voriges Jahr lagen wir sogar bei 40 Prozent, das ist im südasiatischen Vergleich die Spitze«, berichtet Pokharel. Zugleich räumt er ein, dass es an praktischer Machtteilhabe, gerade auf den obersten Ebenen, immer noch fehle.

Dass Bidhya Bhandari im Oktober 2015 zur Staatspräsidentin gewählt wurde, ist für Saathi ein Signal – nicht mehr. Denn von 21 Regierungsmitgliedern sind nur zwei weiblich. Keine Frau habe bislang einen der einflussreichen Ministerposten bekommen. Und auch bei den Wahlen in den sieben Provinzen habe es keine Frau an die Spitze einer Regionalregierungen geschafft, konstatiert Pokharel. Solche Ämter würden ihnen noch immer nicht zugetraut. »Da fehlt es in den Parteien einfach noch an Bewusstsein und Mut«, sagt der Saathi-Vertreter und meint damit ausdrücklich auch das regierende Linksbündnis von Marxisten und Maoisten.

Das 2008 beschlossene Gesetz gegen häusliche Gewalt ist ein Meilenstein. Saathi hat jahrelang politische Lobbyarbeit zur Ächtung solcher Übergriffe betrieben. Zugleich unterhält der Verein selbst mehrere Notunterkünfte für Betroffene. Das Gesetz, betont Pokharel, sei wichtig, aber nur der Anfang. Noch immer seien die Behörden nicht überall für das Thema sensibilisiert. Doch mit dem Gesetz können Frauen Misshandlungen erstmals überhaupt zur Anzeige bringen. Die realen Chancen, Recht zu bekommen, sind dabei in Großstädten höher als auf dem Land.

Saathi ist mit seinen 108 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in zehn Distrikten tätig. Neben den genannten Aktivitäten betreibt der Verein Aufklärungskampagnen zu sexueller Selbstbestimmung und reproduktiver Gesundheit für junge Mädchen und Frauen. Teilweise kämpft er um ganz einfache Grundlagen wie Sanitäranlagen in Schulen. »Momentan ist es oftmals so, dass Schülerinnen während ihrer Menstruation zu Hause bleiben.« Zudem versucht Saathi, gemeinsam mit den Lehrkräften gegen Mobbing und sexuelle Belästigung vorzugehen.


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