Aus: Ausgabe vom 05.04.2018, Seite 2 / Ausland

Karawane durch Mexiko

Flüchtlingskonvoi nach Norden. Trump will Militär an Grenze entsenden

Von André Scheer
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Teilnehmer des Flüchtlingsmarsches am Dienstag in der südmexikanischen Stadt Matias Romero

US-Präsident Donald Trump will Soldaten zur Abriegelung der Grenze zu Mexiko einsetzen. »Bis wir eine Mauer und die angemessene Sicherheit haben können, werden wir unsere Grenze mit dem Militär bewachen«, sagte Trump am Dienstag (Ortszeit) auf einer Pressekonferenz im Weißen Haus. Später präzisierte die US-Administration, dass nicht reguläres Militär an die Grenze entsandt werden soll, sondern freiwillig Dienst leistende Milizionäre der Nationalgarde. Zwar wetterte Trump gegen »kriminellen Organisationen für Menschenhandel, Drogenterroristen und Schmugglerbanden«, doch der eigentliche Anlass für den Wutausbruch des US-Präsidenten war ein Konvoi von Schutzsuchenden aus Mittelamerika, die in den Vereinigten Staaten Asyl beantragen wollen.

Hinter der symbolischen Karawane steht die Menschenrechtsorganisation »Pueblo sin Fronteras« (Volk ohne Grenzen), die nach eigenen Angaben seit mehr als 15 Jahren humanitäre Hilfe für Flüchtlinge und Migranten in Mexiko leistet. UN-Schätzungen zufolge passieren jährlich rund 500.000 Menschen ohne Genehmigung Mexiko, um die Vereinigten Staaten zu erreichen. Seit fünf Jahren organisiert »Pueblo sin Fronteras« Märsche, bei denen sich die aus verschiedenen Ländern Mittelamerikas stammenden Menschen gemeinsam auf den Weg an die Nordgrenze Mexikos machen, um sich besser vor Menschenhändlern und kriminellen Banden schützen zu können. Zu dem diesjährigen »Kreuzweg der Migranten« versammelten sich am Ostersonntag im südmexikanischen Tapachula unweit der Grenze zu Guatemala rund 1.500 Menschen unter dem Slogan »Wir alle sind Amerikaner« und damit dreimal so viele wie im Vorjahr. Wie der Fernsehsender Univisión berichtete, stammten die meisten der Teilnehmer aus Honduras und sind vor der Gewalt krimineller Banden in ihrer Heimat geflohen. Der Sprecher von »Pueblo sin Fronteras«, Irineo Mujica, kritisierte gegenüber dem Sender, dass die USA sich zwar über den Zustrom von Migranten aus Lateinamerika beklagten, zugleich aber mitverantwortlich für die dortigen Zustände seien, die die Menschen zur Flucht zwingen.

Am Dienstag begann sich die Karawane Medienberichten zufolge im südmexikanischen Bundesstaat Oaxaca aufzulösen. Dagegen erklärte Mujica, man werde den Weg gemeinsam bis Puebla nahe Mexiko-Stadt fortsetzen. Die Behörden hätten den Marsch entgegen anderslautender Ankündigungen nicht behindert. Einigen besonders Schutzbedürftigen seien Visa angeboten worden. In Puebla wollen dem Sprecher zufolge einige Teilnehmer bei den Behörden Asyl beantragen, andere werden sich zu Familienangehörigen in anderen Teilen Mexikos aufmachen. Wie die Nachrichtenagentur AP berichtete, hat sich eine Gruppe von Flüchtlingen allerdings bereits vom Konvoi getrennt und will mit dem als »Die Bestie« bekannten Güterzug nach Norden reisen. Zehntausende Menschen klettern jedes Jahr auf die Dächer der Güterwagen, um sich zur US-Grenze bringen zu lassen.


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