Aus: Ausgabe vom 22.03.2018, Seite 4 / Inland

Immer mehr Waffen verschwinden

24.531 Gewehre und Pistolen abhanden gekommen. Grüne und Linke kritisieren Regierungspolitik

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Tickende Zeitbomben: 24.500 Waffen aus Privatbesitz sind als verschwunden oder gestohlen gemeldet

Nicht nur, dass immer mehr Schießeisen registriert werden. In der BRD ist außerdem die Zahl der als verschwunden gemeldeten Waffen aus Privatbesitz stark gestiegen. So waren Ende Januar 2018 insgesamt 24.531 Waffen im Nationalen Waffenregister als gestohlen oder abhanden gekommen registriert. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen hervor. Das entspricht einer Steigerung von rund 18 Prozent im Vergleich zum Januar 2017. Die meisten dieser Waffen (19.282) wurden als verloren gemeldet, etwa ein Fünftel (5.249) als gestohlen. Wer eine Waffe legal besitzt, etwa als Jäger oder Sportschütze, ist verpflichtet, sich um die sichere Aufbewahrung zu kümmern. Im Juli 2017 waren die Regelungen dafür verschärft worden. Die Union hatte in der Debatte über die Gesetzesnovelle damals den Grünen vorgeworfen, sie kriminalisierten mit ihrer »Verbieteritis« unbescholtene Bürger.

Der Grünen-Fraktionsvize Konstantin von Notz (Grüne) nannte die Zahlen alarmierend. »Sie zeigen: Wir müssen besser werden im Kampf gegen Waffenkriminalität«, sagte er gegenüber Bild. »Die Bundesregierung betreibt Arbeitsverweigerung, obwohl Vorschläge seit Jahren im Parlament vorliegen.« Die Grünen-Innenpolitikerin Irene Mihalic meinte: »Da stellt sich schon die Frage, in welchen dunklen Kanälen diese Waffen landen und welche Straftaten damit noch begangen werden.« Der Bundeswehroffizier Franco Albrecht etwa, der im Dezember 2017 wegen Terrorverdachts von der Bundesanwaltschaft angeklagt wurde, steht im Verdacht, eine schwere staatsgefährdende Gewalttat vorbereitet zu haben. Der Anklageschrift zufolge beschaffte sich der Mann zur Umsetzung seiner Anschlagspläne vier Schusswaffen sowie mehr als tausend Schuss Munition und mehr als 50 Sprengkörper. Einen Teil der Munition und der Sprengkörper hatte er demnach aus Bundeswehrbeständen entwendet.

Ausgehend von Ermittlungen im französischen Bordeaux waren in Österreich und Deutschland im vergangenen November neun mutmaßliche Mitglieder einer Bande von Waffenhändlern als Tatverdächtige ermittelt worden. Bei zeitgleichen Razzien in Süddeutschland und Österreich wurden mehr als 160 Schusswaffen sichergestellt. Auch bei der Bundeswehr verschwinden immer wieder Waffen.

Die Zahl der registrierten Schusswaffen ist im vergangenen Jahr erneut gestiegen. Wie die Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ) Mitte Januar berichtete, waren zum Jahresende 5,37 Millionen Waffen oder Waffenteile beim Bundesinnenministerium registriert. Das waren rund 20.400 mehr als noch im Vorjahr. 2016 betrug das Plus noch 16.100. Der Linke-Bundestagsabgeordnete Andrej Hunko forderte daher stärkere Hürden für den Erwerb von Waffenscheinen. »Dieser Entwicklung müssen wir gegensteuern, denn mehr Waffen führen zu mehr Unsicherheit«, sagte er der NOZ. (dpa/AFP/jW)


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