Aus: Ausgabe vom 21.03.2018, Seite 8 / Ansichten

Ballasttanker des Tages: Facebook

Von Arnold Schölzel
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Das Geschäftsmodell des Internetkonzerns Facebook ist simpel: Abgreifen von Daten aller seiner rund zwei Milliarden Nutzer, wirtschaftliche Verwertung des Abgeschöpften zur Prognose vor allem von Kauflaunen und vom Verhalten im Privatleben. Außerdem Weiterleitung der »Profile« an Geheimdienste und systematische Förderung von Entblößen, Pöbeln, Gerüchteverbreiten, Lügen, Rassismus, Faschismus etc. – das geht mit dem »sozialen Netzwerk« schneller als z. B. einst die mühsame Mobilisierung für einen Weltkrieg oder für den »Führer«.

Zu einem kapitalistischen Dickschiff gehört das Mitschleppen von Trittbrettfahrern wie zum echten Seelenverkäufer der Transport von Rippenquallen und Muscheln im Ballastwasser über Ozeane hinweg. Seit dem Wochenende herrscht an Börsen und Medien, die das Auf und Ab von Aktienkursen für Volkswirtschaft halten, ziemliche Aufregung: Eine britische Firna namens Cambridge Analytica soll 2014 mittels Facebook an die 50 Millionen »Profile« »geklaut« und die dann im US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 zugunsten von Donald Trump genutzt haben. Daten raffen darf aber immer nur der, der Milliardensummen damit macht. Facebook sperrte den Winzling aus und weltweit heuchelten Experten Entsetzen wegen Datendiebstahl. Die britische Datenschutzbehörde beantragte einen Durchsuchungsbefehl, ein Undercoverreporter veröffentlichte, wie er Firmenchef Alexander Nix nach der Möglichkeit fragt, negative Informationen über politische Opponenten zu beschaffen. Der bot »Mädchen« frei Haus und Erpressung an etc. Übrigens: Am 13. März 2017 prahlte Nix in einem faz.net-Interview damit, 5.000 Datenpunkte pro US-Wähler gesammelt und bis zu 150.000 individualisierte E-Mails mit »Informationen« täglich verschickt zu haben. In zwei Jahren, prophezeite er, werde »uns« das als eher kleine Zahl vorkommen. Richtig, Facebook ist sehr viel weiter.


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