Aus: Ausgabe vom 20.03.2018, Seite 1 / Ausland

Rettungsschiff beschlagnahmt

Italienische Behörden ziehen nach Konfrontation mit libyscher »Küstenwache« Boot ein

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Am Helfen gehindert: Das Schiff der spanischen Hilfsorganisation »Proactiva Open Arms« liegt im Hafen von Pozzallo (19.3.2018)

Erneut ist in Italien ein Rettungsschiff einer Hilfsorganisation für Flüchtlinge beschlagnahmt worden. Der Vorwurf laute auf »kriminelle Machenschaften sowie die Begünstigung illegaler Migration«, schrieb der Gründer der betroffenen Hilfsorganisation Proactiva Open Arms, Òscar Camps, in der Nacht zum Montag in einem Beitrag via den Internetkurznachrichtendienst Twitter. Der Beschlagnahme war eine Konfrontation mit der als libysche »Küstenwache« bezeichneten Miliz vorausgegangen. Diese hätte die privaten Seenotretter am Donnerstag mit Waffen bedroht, hatte die Hilfsorganisation berichtet. Die Aktivisten hatten sich geweigert, gerettete Frauen und Kinder 73 Seemeilen vor der libyschen Küste den Libyern zu übergeben. Daraufhin hätten diese mit Schüssen gedroht.

Dem Schiff mit mehr als 200 Menschen an Bord sei danach die Einfahrt in einen sicheren Hafen in Europa verweigert worden, und es habe mit Menschen in kritischem Zustand auf hoher See bleiben müssen, hatte Camps erklärt. Am Freitag abend hatte die italienische Küstenwache dem Schiff dann den Hafen in Pozzallo auf Sizilien zugewiesen. Dort wurde dieses nun beschlagnahmt. Angeordnet habe dies Catanias Staatsanwalt Carmelo Zuccaro, berichteten italienische Medien. Im vergangenen Jahr hatte dieser einigen Helfern unterstellt, direkte Kontakte zu libyschen Schleppern zu haben und sogar von diesen finanziert zu werden.

Die Beschlagnahme sei eine präventive Maßnahme, schrieb Camps. So hatten die italienischen Behörden auch die Beschlagnahme des Rettungsschiffs »Iuventa« der deutschen Hilfsorganisation »Jugend rettet« im August vergangenen Jahres begründet. Seit Italien im Sommer 2017 eine Vereinbarung mit der libyschen »Küstenwache« getroffen hat, kommen weit weniger Flüchtlinge an der europäischen Küste an. Viele werden bereits in libyschen Hoheitsgewässern gestoppt und in das Kriegsland zurückgebracht. Die vom Westen eingesetzte libysche »Einheitsregierung« hatte eigenmächtig eine »Such- und Rettungszone« im Mittelmeer von 74 Seemeilen ausgerufen. (dpa/jW)


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