Aus: Ausgabe vom 19.03.2018, Seite 16 / Sport

Egal, welches Ergebnis

Am Sonntag endeten die 12. Winter-Paralympics. Es ging um mehr als Rekorde

Von Jens Walter
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»Bronze gefällt mir optisch besonders gut« – Andrea Eskau im Deutschen Haus

Das nordkoreanische Team sei ohne Angabe von Gründen abgereist, teilte das Internationale Paralympische Komitee (IPC) am Sonntag vor der Abschlussfeier der Paralympics in Pyeongchang mit. Erstmals hatte Nordkorea an diesen Spielen teilgenommen. Aus der 20köpfigen Delegation waren dabei nur die Skilangläufer Kim Jong Hyon und Ma Yu Chol angetreten. Mit dem Tragen der nordkoreanischen Flagge beim abschließenden Einmarsch der Nationen ins Olympiastadion beauftragte das IPC einen Freiwilligen.

Als deutsche Fahnenträgerin lief die sehbehinderte Clara Klug vor dem Team, gemeinsam mit ihrem Helfer Martin Härtl: »Ohne ihn wüsste ich nicht, wo ich bin. Ohne ihn könnte ich nicht einlaufen. Das wäre sicher witzig für alle – außer für mich«, meinte die 23jährige Gewinnerin zweier Bronzemedaillen.

Herausragende Athletin im deutschen Team war Andrea Eskau, die gestern ihre sechste Medaille umgehängt bekam. Die 46jährige vom USC Magdeburg holte zum Abschluss im Langlauf mit der Mixed-Staffel über 4 mal 2,5 Kilometer Bronze hinter der Ukraine und Kanada. »Meine Sammlung hier ist nun komplett. Bronze gefällt mir optisch besonders gut«, sagte Eskau, die zuvor zweimal Gold (Biathlon 10 und 12,5 Kilometer) und dreimal Silber (Langlauf, 12,5 Kilometer, 5 Kilometer, Sprint) gewonnen hatte. Als Eskau während der Spiele von einem Journalisten gefragt wurde, ob ihre russischen Kontrahentinnen in Biathlon und Langlauf nicht etwa doch gedopt seien, stellte sie eine gute Gegenfrage: »Die meisten sind 20 oder mehr Jahre jünger als ich. Sie könnten meine Töchter sein, und ich kann mit ihnen mithalten. Was müssten das dann für Mittel sein, die sie nehmen?«

Für den Schlussläufer der deutschen Mixed-Staffel, Alexander Ehler (48), war die erste Paralympics-Medaille »so viel wert wie zwei Goldmedaillen«. Der gebürtige Kasache hatte 1992 für sein Heimatland bei Olympia starten sollen, ein Motorradunfall beendete seine Karriere. In Pyeongchang wollte er sich keine Unzufriedenheit einreden lassen nach seinem achten Platz im 20-Kilometer-Rennen: »Ich bin immer zufrieden, egal welches Ergebnis. Ich bin Papa.«

Das deutsche Team beendete die Paralympics mit 19 Medaillen (7-8-4) auf Platz fünf des Medaillenspiegels. IPC-Präsident Andrew Parsons unterstrich in seiner Bilanz, dass mehr Nationen als je zuvor Athleten auf dem Treppchen hatten. 26 der 49 Delegationen konnten Medaillengewinne feiern. Erstmals ganz oben bei Winter-Paralympics standen Sportler aus China, Kroatien, Kasachstan und Südkorea.

Auch das »äußerst wechselhafte Wetter«, der »eisige Schnee« und der »tropische brasilianische Sonnenschein« habe die Organisatoren vor keine unlösbaren Probleme gestellt, lobte der 41jährige Brasilianer Parsons am Sonntag, und erklärte im siebten Monat seiner Amtszeit Teilnehmerzahl (567) und Ticketverkäufe (343.000) zu weiteren Rekorden.

Er hoffe, die Südkoreaner seien inspiriert worden und entwickelten ihre Gesellschaft noch mehr zu einer inklusiven, schloss Parsons. In einer solchen hätten alle die gleichen Chancen. »Es spielt keine Rolle, ob sie eine Behinderung haben oder nicht.«


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