Aus: Ausgabe vom 14.03.2018, Seite 15 / Antifa

Pegida am Weißwurstäquator

»Das Original« will am 17. März in München marschieren. Seine Gegner sind sich dort nicht einig, ob es lächerlich und »krank« oder gefährlich ist

Von Sebastian Lipp
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Gegendemo zu einem Pegida-Aufmarsch im Juli 2015 in München

Nachdem es in den letzten Monaten recht still um den Pegida-Ableger in der bayerischen Landeshauptstadt geworden war, will dort am Samstag »das Original« der rassistischen Bewegung mit Gründungsmitgliedern aus Dresden aufmarschieren.

Nach Informationen der Antifaschistischen Informations-, Dokumentations- und Archivstelle (AIDA) aus München plant der Dresdner »Pegida Förderverein e. V.« mit den Vorständen Lutz Bachmann und Siegfried Däbritz eine Kundgebung mit Demonstration am 17. März in München. Unter dem Motto »Pegida – das Original in München. Gegen Islamisierung, offene Grenzen und Asylmissbrauch« ist zunächst von 15.00 bis 16.30 Uhr eine Auftaktkundgebung auf dem Marienplatz geplant. Danach soll die extrem rechte Versammlung über Tal, Thomas-Wimmer-Ring, Maximilian- und Dienerstraße marschieren. Eine Abschlusskundgebung ist für die Zeit von 17.30 bis 19.00 Uhr vorgesehen.

Das »Münchner Bündnis gegen Krieg und Rassismus« ruft zum Protest dagegen auf: »Islamhetzer, Ausländerfeinde und Neonazis wollen sich nach längerer Abwesenheit wieder mit ihrem völkisch-nationalistischen Geschrei bemerkbar machen«, heißt es in einer Erklärung des Bündnisses, das »zahlreich und unmissverständlich unsere bunte Gegenwehr« zeigen will.

»Die offene Gesellschaft zeigt erste Symptome eines pathologischen Befalls«, heißt es in einem weiteren Demonstrationsaufruf von »München ist bunt« und der Sozialgenossenschaft »Bellevue di Monaco«. »Wir lindern die historische Demenz und kurieren dumpfe Gefühle« – mit »gesundem Menschenverstand«. Dazu sollen sich Münchner als Ärzte verkleiden und die »anreisenden Herrschaften als bunter Ärztechor aus Münchnerinnen und Münchnern mit Blumen und Genesungswünschen begrüßen«. Auf dem Demonstrationsaufruf sind etwa fünf Dutzend prominente Münchner, vor allem Kulturschaffende und Stadträte, als Ärzte abgebildet. Die Aktion soll Pegida lächerlich machen.

Eine Münchner Antifagruppe warnt dagegen in einem eigenen Demonstrationsaufruf, man solle als antifaschistische Linke Pegida nicht kleinreden. Unter diesem Banner habe sich eine gefährliche Mischszene gebildet, in der sich verschiedenste sogenannte neue Rechte ebenso wohlfühlen wie bedeutende militante Neonazis. Pegida habe eine nicht unwesentliche Rolle im politischen Aufstieg einer mittlerweile viel weiter reichenden extremen Rechten gespielt, die »eine ernstzunehmende Bedrohung für alle emanzipatorischen Errungenschaften« darstelle.

Auf den Pegida-Aufmärschen, die bislang von München aus organisiert wurden, sind nicht nur bekannte Neonazis wie Rechtsterrorist Karl-Heinz Statzberger gerngesehene Gäste. Es wurde auch immer wieder offen mit neonazistischem Terror kokettiert. Etwa als Pegida München im November eine Dauerkundgebung vor dem Antifakongress im Münchner Gewerkschaftshaus abhielt. Auf eine riesige Videoleinwand hatten die Rechten eine eindeutige Botschaft projiziert: Der Pegida-Kader Heinz Meyer, der unter dem Deckmantel eines Schießsportvereins Waffen und Munition hortete, posierte auf einem Foto neben »Paulchen Panther«, der Zeichentrickfigur, die auch der »Nationalsozialistische Untergrund« (NSU) im Propagandavideo zu seiner Mordserie aufgegriffen hatte. »Von jetzt ab, da ist eines klar: Das Paulchen jagt bald Antifa!« hieß es später bei Pegida.

Beim für Samstag in München geplanten Aufmarsch ist nach AIDA-Informationen auch Michael Stürzenberger, regelmäßiger Autor des islamfeindlichen Blogs »PI-News«, mit von der Partie. Er habe die Versammlungen unter dem Namen »Bagida« Anfang 2015 in München zunächst mitgestaltet, sich dann aber mit Teilen des Organisationsteams überworfen. Fortan habe Stürzenberger die Münchner Demonstrationen nur noch gelegentlich begleitet, um darüber zu berichten. Als Redner sei er bei anderen Pegida-Veranstaltungen in Deutschland und Österreich aufgetreten. Stürzenberger, der zahlreiche Kundgebungen gegen den Bau von Moscheen in München organisiert hatte, löste Ende 2016 die islamfeindliche Partei »Die Freiheit« mit der Begründung auf, deren politischen Inhalte seien in der AfD gut vertreten. Am 15. Februar 2018 trat Stürzenberger laut AIDA in Neubrandenburg zusammen mit Siegfried Däbritz und dem Burschenschaftler Enrico Komning, der für die AfD im Landtag Mecklenburg-Vorpommern sitzt, auf einer Veranstaltung zu dem Thema »Pegida. Geschichte und Entwicklung« auf.


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