Aus: Ausgabe vom 13.03.2018, Seite 8 / Ansichten

Der Aufmarsch

Front National gibt sich neuen Namen

Von Hansgeorg Hermann
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Alleinherrscherin der faschistischen Rechten: Marine Le Pen verlässt die Bühne des FN-Parteitags in Lille (11.3.2018)

Neuer Name, alte Leier. Beim Kongress in Lille war die Überraschung unter den Delegierten des Front National (FN) nicht besonders groß, als ihnen die alte und neue Führerin Marine Le Pen eher gelangweilt erklärte, dass die Partei künftig als »Rassemblement National« (RM) in die Schlacht um politische Macht ziehen wird. Rassemblement heißt zunächst, ins Deutsche übersetzt, Zusammenschluss. Es darf und soll aber auch »Aufmarsch« heißen, womit der Sinn der Aktion klar wird. Eine Front ist, rein sprachlich gesehen, Stillstand, Aufmarsch und Zusammenschluss verheißen Bewegung. Das Ziel bleibt gleich.

Der »Front«, am Sonntag zum »Aufmarsch« mutiert, wird in europäischen »Qualitätsmedien« unermüdlich und mit der Attitüde des hartnäckigen Lügners zur »populistischen Partei« kleingeschrieben. Richtig ist: Es handelt sich um eine vor 45 Jahren gegründete faschistische Altpartei, die ihren festen Platz im politischen System der korrupten Fünften Republik hat. Der Pariser Soziologe Albert Ogien erklärte seinen Franzosen neulich in einem Essay, was »Populisten« wollen. »Den Bruch mit dem politischen Establishment« vor allem, zu dem Le Pen und Konsorten seit nunmehr zwei Generationen gezählt werden dürfen.

In Le Pens Rede in Lille fand sich schon unter den ersten Sätzen das ewig wiederholte Versprechen: Mit jeglicher »Immigration« aus dem Orient und aus Afrika müsse Schluss sein. Das neue, alte Programm heißt »Tradition, Identität, Autorität, Nation« und Islamophobie. Es unterscheidet sich insofern kaum von dem, was heute auch die rechtskonservativen »Les Républicains« und deren neuer Parteichef, der harsche Katholik Laurent Wauquiez, wollen. Die beiden Parteien sind sich nun sehr nahe.

Über die 34 Prozent sind Marine Le Pen und ihre Adepten bei Wahlen nie hinausgekommen. Auch der Vater Jean-Marie Le Pen nicht, der Alte mit der Augenklappe, der den »Front« 1972 aus der Taufe hob. Die in Lille angeblich vollzogene »Neugründung« soll endlich ermöglichen, was Marine immer wollte – aus der Oppositions- eine »Regierungspartei« zu machen. Der wegen Rassismus und Antisemitismus mehrfach vorbestrafte Jean-Marie darf sich daher seit Sonntag nicht mehr »Ehrenpräsident« des FN nennen. Den streng rechts denkenden und wählenden Katholiken signalisierte die Tochter, dass es ab jetzt nicht nur »zivilisiert« zugehen soll beim FN/ RM, sondern dass eben dieser FN – und nur er – den »drohenden Niedergang der französischen Zivilisation« aufzuhalten vermöge.

Von der neuen »christlichen Linie« der Partei profitiert allerdings erst mal der am Wochenende geschasste Alte. Die erste Auflage seiner Autobiographie »Fils de la nation«, verlegt von den erzkatholischen Elsässer »Éditions Muller« war schon vor ihrer Veröffentlichung Ende Februar vergriffen. Dem Laizismus verpflichtete, seriöse Verlage des Landes hatten das Buch allesamt abgelehnt.


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