Aus: Ausgabe vom 12.03.2018, Seite 8 / Ansichten

Keine Kapitulation

Treffen zwischen Trump und Kim

Von Knut Mellenthin
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Gesprächsbereite Staatsführung: Kim Jong Un spricht am 8. Oktober 2017 in Pjöngjang auf dem zweiten Plenum des siebten Zentralkomitees der Partei der Arbeit Koreas

Seit Mitte der 1980er Jahre verhandeln Vertreter der USA und Südkoreas immer mal wieder mit der Demokratischen Volksrepublik Korea über deren Atomprogramm. Damals schien man noch unbegrenzt Zeit zu haben. Nordkorea war 20 Jahre von seiner ersten nuklearen Versuchsexplosion im Jahre 2006 entfernt. Inzwischen hat die DVRK sechs Atomsprengköpfe getestet, Dutzende Trägerraketen gestartet, wobei deren Reichweite und Zielgenauigkeit verbessert wurden, und soll nach unzuverlässigen Schätzungen rund 20 Atomwaffen einsatzbereit halten.

Wenn man Donald Trump und seinem Hofstaat glaubt, haben bisher nur die falschen Leute mit Pjöngjang verhandelt. Die »Politik« des US-Präsidenten, die DVRK unter »maximalen Druck« zu setzen, habe Kim Jong Un in die Knie gezwungen. Durch den Nationalen Sicherheitsberater des Südens, Chung Eui Jong, habe Kim in der vorigen Woche um Kapitulationsverhandlungen gebeten. Das ist zumindest die südkoreanische und US-amerikanische Darstellung. Nachdem Chung am vorigen Montag an Gesprächen mit der Führung der DVRK in Pjöngjang teilgenommen hatte, flog er am Donnerstag nach Washington, um dort Bericht zu erstatten und anschließend vor die Presse zu treten.

Kim hat sich bisher zur unwahrscheinlichen Unterstellung, er habe seine Bereitschaft zur Kapitulation »signalisiert«, noch nicht öffentlich geäußert. Daraus könnte man schlussfolgern, da die DVRK der Darstellung Chungs nicht widersprochen habe, erkenne sie deren Richtigkeit an. Diese Annahme ist aber nicht zwangsläufig richtig. Für Kim scheint, warum auch immer, das Treffen mit Trump einen hohen Stellenwert zu haben. Wenn ihm zur Zeit von Südkorea Äußerungen zugeschrieben werden, die er jederzeit bestreiten kann, muss das nicht ganz schlecht sein.

Indessen lässt der US-Präsident mit weiteren Provokationen nachlegen. Während einer Pressekonferenz seiner Pressesprecherin Sarah Sanders am Freitag sagte diese, das Treffen zwischen Trump und Kim könne nur stattfinden, wenn Nordkorea zuvor »konkrete, überprüfbare Aktionen« im Sinn der angeblich beim Treffen mit den Südkoreanern in Pjöngjang abgegebenen »Versprechen« unternehmen würde. Noch sei nicht einmal ein Termin vereinbart. Mehrere Fragen, was damit gemeint sei, ließ Sanders unbeantwortet.

Ebenfalls am Freitag rühmte Vize­präsident Michael Pence in einem Statement, Nordkoreas Bereitschaft, alle Raketen- und Atomtests einzustellen, sei der Beweis, dass Präsident Trumps Strategie, »das Kim-Regime zu isolieren, funktioniert«. Trumps Hofschranzen betonen ständig, seine Fähigkeit, vorteilhafte Deals auszuhandeln, sei »berühmt«. Die Wirklichkeit ist, dass er noch nie in seinem Leben politische Verhandlungen geführt hat, geschweige denn erfolgreich. Trumps Neigung zur Selbstüberschätzung könnte ein zentraler Faktor in Kims Kalkül sein.


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